Tiefseefische

Die erstaunlichste Entdeckung der letzten Zeit aber – zumindest die, der ich die meisten Einsichten verdanke – sind die lichterzeugenden Organe der Tiefseefische…

Die Lichtstrahlen dringen … nicht sehr weit ins Wasser ein. Die Meerestiefen sind düster … riesige Abgründe, die man lange Zeit für unbewohnt hielt; doch dann gelang es mit Hilfe von Grundnetzen, eine Menge seltsamen Getiers aus jenen Höllen heraufzuholen. Diese Tiere, dachte man, seien blind. Natürlich hatten sie keine Augen; sie konnten, durften keine haben. Doch als man sie näher untersucht, erkennt man fassungslos, daß einige von ihnen dennoch Augen besitzen, ja so gut wie alle Sehorgane haben und manche überdies noch hochsensible Antennen. Man will es nicht glauben, wundert sich: Wozu Augen, wenn es nichts zu sehen gibt? Lichtempfindliche Organe, aber wozu? … Und da entdeckt man endlich, daß jedes dieser Tiere, die man zunächst für lichtscheue Wesen gehalten hatte, selbst sein eigenes Licht vor sich hin wirft und um sich herum verbreitet. Jedes von ihnen glüht, schimmert, strahlt… Ein flackerndes, vibrierendes, irisierendes Licht, wie von einem Leuchtfeuer, funkelnden Sternen oder Edelsteinen, und von unvergleichlicher Pracht…

(André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 147 f.)

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