Ein Mensch erwacht zu sich selbst, wir aber –

Wir machen uns ein Bildnis von einem Menschen und lassen ihn nicht aus diesem Bildnis heraus. Wir wissen, so und so ist er gewesen, und es mag in diesem Menschen geschehen, was will, wir dulden es nicht, daß er sich verwandle. Sie sehen es ja, nicht einmal seine Gattin duldet es; sie will ihn so,…

Geschöpf und Schöpfer

Wie gesagt: … plaudern Sie irgend etwas, als wäre man ganz zufällig hier, unterdessen wird er diese Skulpturen schon bemerken. – Und wenn er sie alle zusammenschlägt? – Damit gäbe er zu, daß er ihr Schöpfer ist. (Max Frisch, Rip van Winkle, in: Herr Biedermann und die Brandstifter, Rip van Winkle – Zwei Hörspiele, 1980, S….

Die Rolle des Lebens

… ein Mensch wie so viele, ein Mensch, der sich selbst überforderte. Mit dem Ergebnis: er lebte nicht, er spielte eine Rolle, die er sich selbst glaubte, schuldig zu sein. Daher das schlechte Gewissen, das lebenslängliche Gefühl, etwas schuldig zu bleiben, das haben ja alle Leute, die sich selbst nicht annehmen… Wir alle wissen ja…

Einfach man selbst sein

Ihr aber, ihr alle, das ist es, ihr wollt ja nur, daß ich nicht wage, ich selbst zu sein… (Max Frisch, Rip van Winkle, in: Herr Biedermann und die Brandstifter, Rip van Winkle – Zwei Hörspiele, 1980, S. 57 ff. [100])

Der ganze Mensch

Wenn Sie einem Menschen bloß die Taten glauben, die er wirklich getan hat, …, dann werden Sie ihn niemals kennenlernen… Als ob … all die Taten, die ungeschehen bleiben in unserem Leben, nicht auch zur Wahrheit unseres Lebens gehören… (Max Frisch, Rip van Winkle, in: Herr Biedermann und die Brandstifter, Rip van Winkle – Zwei Hörspiele,…

Ich bin nicht ich!

Das ist die Skizze von einem Menschen, der nie gelebt hat: weil er von sich selber forderte, so zu sein, wie die andern es von ihm forderten. Und eines Tages, als er aus diesem Spuk erwachte, siehe da … verurteilten (sc. sie) ihn zu sein, was er gewesen ist, und duldeten nicht seine Verwandlung. (Max…

Eine wahre Tragödie!

Seine wahre Tragödie, merkte er nun, lag darin, dass er unfähig war, seine Kenntnis einer anderen Welt, einer Welt jenseits Unwissenheit und Vergänglichkeit, jenseits Lachen und Weinen, den anderen mitzuteilen. (Henry Miller, Das Lächeln am Fuße der Leiter, 33. Aufl. 2019, S. 67)

Erkenntnis im Verzicht

Nun weiß ich, wer ich bin, was ich bin und was ich tun muss. Das ist die Wirklichkeit… Fraglich war nicht die Richtung, in der er aufbrechen… sollte, fraglicher war… Er versuchte, es sich selbst in sehr, sehr einfachen Worten zu erklären. War es nicht vielleicht so, dass er sich sehr wohl befand, so wie…

Wieder ein Mensch

Wie er so saß, …, fing er an zu begreifen, dass jenes abseitige Leben, das er eifersüchtig als sein alleiniges Eigentum bewacht hatte, diese heimliche Existenz, die scheinbar den innersten Kern seines Wesens bewahrte, letzten Endes kein Leben war, dass sie ein Nichts war, nicht einmal der Schatten eines Lebens. Zu leben begonnen hatte er…

Der Rolle ledig

Er vergaß sich in der Erfüllung der einfachen und harten Forderungen des Tages… Er fühlte sich frei, so frei, wie er sich als Mitspieler nie gefühlt hatte. Oh, es war wundervoll, der Rolle ledig zu sein und völlig einzutauchen in die gestaltlose Gleichförmigkeit des Lebens, ein Staubkorn zu werden unter Millionen und dabei… ja, und…

Sehnsucht: Resultat mangelhafter Erkenntnis

Denn der Mensch liebt und ehrt den Menschen, solange er ihn nicht zu beurteilen vermag, und die Sehnsucht ist ein Erzeugnis mangelhafter Erkenntnis. (Thomas Mann, Frühe Erzählungen – Der Tod in Venedig, S. 559 ff. [612] [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])

Augenbekanntschaft

Seltsamer, heikler ist nichts als das Verhältnis von Menschen, die sich nur mit den Augen kennen… (Thomas Mann, Frühe Erzählungen – Der Tod in Venedig, S. 559 ff. [612] [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])