Ein einziger Henker könnte das ganze Gericht ersetzen. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 141)
Schlagwort: Leben
Die drei Arten der Befreiung
Ich habe vergessen Sie zunächst zu fragen, welche Art der Befreiung Sie sich wünschen. Es gibt drei Möglichkeiten, nämlich die wirkliche Freisprechung, die scheinbare Freisprechung und die Verschleppung. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 139)
Der ungünstige Einfluss der Juristerei auf den künstlerischen Schwung
Der Maler beobachtete die Wirkung, die seine Erklärung auf K. gemacht hatte und sagte dann mit einer gewissen Ängstlichkeit: „Fällt es Ihnen nicht auf daß ich fast wie ein Jurist spreche? Es ist der ununterbrochene Verkehr mit den Herren vom Gericht, der mich so beeinflußt. Ich habe natürlich viel Gewinn davon, aber der künstlerische Schwung…
Das Gericht ist alles!
Es gehört ja alles zum Gericht. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 137)
Das ganze Leben
Die Eingabe bedeutete freilich eine fast endlose Arbeit. Man … konnte doch leicht zu dem Glauben kommen, daß es unmöglich war die Eingabe jemals fertigzustellen,… weil in Unkenntnis der vorhandenen Anklage und gar ihrer möglichen Erweiterungen das ganze Leben in den kleinsten Handlungen und Ereignissen in die Erinnerung zurückgebracht, dargestellt und von allen Seiten überprüft…
Allein in der Welt
Wäre er allein in der Welt gewesen, hätte er den Proceß leicht mißachten können, wenn es allerdings auch sicher war, daß dann der Proceß überhaupt nicht entstanden wäre. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 114)
Rechtfertigung des Lebens
Der Gedanke an den Proceß verließ ihn nicht mehr. Öfters schon hatte er überlegt, ob es nicht gut wäre, eine Verteidigungsschrift auszuarbeiten und bei Gericht einzureichen. Er wollte darin eine kurze Lebensbeschreibung vorlegen und bei jedem irgendwie wichtigern Ereignis erklären, aus welchen Gründen er so gehandelt hatte, ob diese Handlungsweise nach seinem gegenwärtigen Urteil zu…
Geständnis als Ausweg
[G]egen dieses Gericht kann man sich … nicht wehren, man muß das Geständnis machen… Erst dann ist die Möglichkeit zu entschlüpfen gegeben, erst dann. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 98)
Ausgang und doch kein Ausweg
Zuerst will er weg, dann aber kann man ihm hundertmal sagen, daß hier der Ausgang ist und er rührt sich nicht. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 73)
Viele Wege sind ein Weg
„Kommen Sie mit“, sagte K. „Zeigen Sie mir den Weg, ich werde ihn verfehlen, es sind hier so viele Wege.“ „Es ist der einzige Weg“, sagte der Gerichtsdiener… (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 67)
Leben ist Warten
„Worauf warten Sie hier?“ fragte K. höflich. Die unerwartete Ansprache aber machte den Mann verwirrt, was umso peinlicher aussah, da es sich offenbar um einen welterfahrenen Menschen handelte, der anderswo gewiß sich zu beherrschen verstand und die Überlegenheit, die er sich über viele erworben hatte, nicht leicht aufgab. Hier aber wußte eher auf eine so…
Großzügiger Verzicht
Allerdings hatte er keine Nebeneinkünfte aus Bestechungen oder Unterschlagungen und konnte sich auch vom Diener keine Frau auf dem Arm ins Bureau tragen lassen. Darauf wollte K. aber, wenigstens in diesem Leben, gerne verzichten. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 61)