Entweder man hat Nachsicht mit den Unzulänglichkeiten des anderen, oder man sollte schleunigst das Weite suchen. (Joachim Meyerhoff, Alle Toten fliegen hoch – Teil 4: Die Zweisamkeit der Einzelgänger, 9. Aufl. 2026, S. 341)
Schlagwort: Die Zweisamkeit der Einzelgänger
Zeugungstag
Eigentlich müsste doch ein Kind drei Monate nach seiner Geburt seinen ersten Zeugungstag feiern, dachte ich. Wie einfallslos das ist, einen Menschen erst dann lebendig zu nennen, wenn man ihn sieht. (Joachim Meyerhoff, Alle Toten fliegen hoch – Teil 4: Die Zweisamkeit der Einzelgänger, 9. Aufl. 2026, S. 337)
Kontraste
Ohne Kontraste begreift man ja eigentlich so gut wie gar nichts… (Joachim Meyerhoff, Alle Toten fliegen hoch – Teil 4: Die Zweisamkeit der Einzelgänger, 9. Aufl. 2026, S. 181)
Eingeimpfte Geschmackssicherheit
Schon viel zu lange hatte ich mich durch eine mir seit jeher eingeimpfte Geschmackssicherheit von vielem ausgeschlossen gefühlt… Sosehr ich … Stilsicherheit und … kultivierten Lebenswandel auch genossen hatte, sosehr blockierte er mich, da ich blitzschnell darin geworden war, Leute zu kategorisieren und aufgrund von Nebensächlichkeiten abzustempeln. (Joachim Meyerhoff, Alle Toten fliegen hoch – Teil 4:…
Des Schauspielers liebste Befriedigung
Das war der Augenblick, als ich begriff, dass es, egal wie empathiebegabt, egal wie liebevoll, egal wie erfolgreich, egal wie kollegial Kollegen auch sein mögen, für einen Schauspieler nichts Befriedigenderes gibt, als einen anderen Schauspieler scheitern zu sehen. Dieser zu einem hohen Prozentsatz auf Ängsten beruhende Beruf braucht die Demontage, ja Zerstörung anderer als Trost…
Außen-Ich und Innen-Ich
Ich geriet in eine innere Hellhörigkeit, die mit dem äußeren Anblick, den ich bot, nicht mehr das Geringste zu tun hatte. Mein Denken und das, was ich sagte, klafften auseinander, und kaum etwas, das ich aussprach, war spontan. Immerzu plante und verfertigte ich Sätze, analysierte und bewertete ich Situationen… Mein Sprechen war keine natürliche Fortsetzung…
Seht, ich sage alles neu!
Das war ein Satz, das wusste ich sofort, den ich niemals wieder vergessen würde. Ein Satz, der in Bezug auf mich außerhalb aller Möglichkeiten gelegen hatte, den ich niemals als einen für mich in Betracht kommenden Satz zu denken gewagt hätte. Und doch hatte ich mich nach genau diesem Satz gesehnt… Genauso wie jeder Mensch…