Ich geriet in eine innere Hellhörigkeit, die mit dem äußeren Anblick, den ich bot, nicht mehr das Geringste zu tun hatte. Mein Denken und das, was ich sagte, klafften auseinander, und kaum etwas, das ich aussprach, war spontan. Immerzu plante und verfertigte ich Sätze, analysierte und bewertete ich Situationen… Mein Sprechen war keine natürliche Fortsetzung des Denkens mehr, nein, es diente dazu, mich strategisch zu positionieren. Jeder Gedanke wurde gesiebt, bevor ich ihn aussprach… Je wortkarger ich wurde, desto mehr raste mein Hirn… Ich brauchte … ein Außen-Ich … und ein streng geheimes Innen-Ich ganz allein für mich.
(Joachim Meyerhoff, Alle Toten fliegen hoch – Teil 4: Die Zweisamkeit der Einzelgänger, 9. Aufl. 2026, S. 161)