Was Schauspieler am meisten befriedigt

Das war der Augenblick, als ich begriff, dass es, egal wie empathiebegabt, egal wie liebevoll, egal wie erfolgreich, egal wie kollegial Kollegen auch sein mögen, für einen Schauspieler nichts Befriedigenderes gibt, als einen anderen Schauspieler scheitern zu sehen. Dieser zu einem hohen Prozentsatz auf Ängsten beruhende Beruf braucht die Demontage, ja Zerstörung anderer als Trost…

Außen-Ich und Innen-Ich

Ich geriet in eine innere Hellhörigkeit, die mit dem äußeren Anblick, den ich bot, nicht mehr das Geringste zu tun hatte. Mein Denken und das, was ich sagte, klafften auseinander, und kaum etwas, das ich aussprach, war spontan. Immerzu plante und verfertigte ich Sätze, analysierte und bewertete ich Situationen… Mein Sprechen war keine natürliche Fortsetzung…

Seht, ich sage alles neu!

Das war ein Satz, das wusste ich sofort, den ich niemals wieder vergessen würde. Ein Satz, der in Bezug auf mich außerhalb aller Möglichkeiten gelegen hatte, den ich niemals als einen für mich in Betracht kommenden Satz zu denken gewagt hätte. Und doch hatte ich mich nach genau diesem Satz gesehnt… Genauso wie jeder Mensch…

Selbstverfolgung

Im Laufe der Jahre hatten … (sc. die) wuchtigen Sessel im Parkett jeweils vier Stempelabdrücke hinterlassen… Kreisrunde, münzgroße Vertiefungen. Hatte die Putzfrau im Zimmer gesaugt oder verschob ein Gast die schweren Stühle, wurden diese von meiner Großmutter eigenhändig zurück auf ihre vier Markierungen gestellt. Dieser Moment war ein geradezu tiefenpsychologischer Offenbarungseid der großelterlichen Wesenswelt. Jeder…

Die Welt als Ereignis-Zirkus

„Was meinst du mit Teilhabe, Großvater?“ „Dadurch, dass du deinen Blick auf die Welt perfektionierst, drohst du dich selbst aus ihr auszuschließen. Teilhabe hieße, ein Bestandteil der Welt zu sein… Deine Generation neigt dazu, Kontexte zugunsten einer beobachtenden, aber unverbindlichen Position aufzukündigen. Die Welt wird dadurch zu einem Ereignis-Zirkus degradiert… Du scheinst mir auf die…

Die Währung der Engel

Die Währung, in der Engel bezahlt werden, sind Tränen. (Joachim Meyerhoff, Alle Toten fliegen hoch – Teil 3: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke, 26. Aufl. 2026, S. 172)

Die Vergangenheit ist unsicher!

Es kommt mir mehr und mehr so vor, als wäre die Vergangenheit ein noch viel ungesicherterer, weniger verbürgter Ort als die Zukunft. Das, was hinter mir liegt, soll das Gesicherte sein, das Abgeschlossene, das Gewesene, das nur darauf wartet, erzählt zu werden, und das vor mir soll die sogenannte zu gestaltende Zukunft sein? Was, wenn…

Erfinden heißt Erinnern

Nie werde ich diesen Augenblick vergessen. Ich hatte etwas erfunden, das wahr war… Für mich war das eine unfassbar befreiende Erkenntnis: Erfinden heißt Erinnern. (Joachim Meyerhoff, Alle Toten fliegen hoch – Teil 2: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war, 49. Aufl. 2026, S. 21)

Erinnerungswunder

Manche frühen Erinnerungen sind auch deshalb so stark, weil sie wie Wunder daherkommen, unerklärlich und hinterrücks über einen hereinbrechen. (Joachim Meyerhoff, Alle Toten fliegen hoch – Teil 1: Amerika, 65. Aufl. 2026, S. 9)