Was die DDR legitimierte

Dieses Parteiergreifen für die DDR hing mit Brecht zusammen, Brecht war die Legitimation, warum man für die DDR sein konnte. Das war ganz wichtig. Weil Brecht da war, mußte man dableiben. Damit gab es einen Grund, das System grundsätzlich zu akzeptieren. Ein Beweis für die Überlegenheit des Systems war die bessere Literatur, Brecht, Seghers, Scholochow,…

Wenn der Kommunist redet

Dann fand ein Jubiläum zur Oktober-Revolution statt, und ich mußte vor den mürrischen Werktätigen die Rede halten. Ich habe es sehr deutlich empfunden, daß sie überhaupt nicht interessiert waren. Die standen da herum, haben mich angeglotzt und sich das angehört. Solange ich redete, mußten sie nicht arbeiten. Die Situation war klassisch. Da steht man als…

Woran ein Deutscher und ein Russe bei dem Wort „Papier“ denken

Dann kam noch mal einer aus dem Wald und schnauzte mich an: „Papier“. Ich dachte, der will einen Ausweis sehen, ich hatte meinen Rettungsschwimmer-Ausweis mit Paßbild auf einem Stück Pappe. Er faßte es an und sagte: „ Nix, dawai“. Er wollte Papier zum Zigarettendrehen, das habe ich erst später begriffen. Als Deutscher denkst du bei…

Such Stuff

We are such stuff As dreams are made on; and our little life Is rounded with a sleep. (William Shakespeare, The Tempest, Act IV Scene 1)

Nicht schreiben oder nichts schreiben?

Und doch ist es in manchen Fällen … notwendig und freundlich, lieber nichts zu schreiben, als nicht zu schreiben. (Johann Wolfgang von Goethe, Die Wahlverwandtschaften, S. 249 [Erster Teil, Erstes Kapitel] [Hamburger Ausgabe, hrsg. v. Erich Trunz, Band VI: Romane und Novellen I, 14. Aufl. 1996])

Der Ruhm der Menschenseele

„Herr, was tust du?“ In solchen Fällen erfolgt keine Antwort. Aber der Ruhm der Menschenseele ist es, daß sie durch dieses Schweigen nicht an Gott irre wird, sondern die Majestät des Unbegreiflichen zu erfassen und daran zu wachsen vermag. (Thomas Mann, Joseph und seine Brüder I: Die Geschichten Jaakobs, S. 387 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter…

Pädagogische Verantwortungslosigkeit

Sie genossen den schelmischen Übermut mit jener pädagogischen Verantwortungslosigkeit, die unser Verhältnis zu anderer Leute Kindern bestimmt. (Thomas Mann, Joseph und seine Brüder I: Die Geschichten Jaakobs, S. 382 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1983])

Wissen

„Das weißt du nicht?“ fragte der Hundejüngling. „Ich kann nicht genau unterscheiden“, antwortete Jaakob, „was ich von mir aus weiß und was ich von dir erfahre.“ „Wüßtest du’s nicht“, gab jener zurück, „so könnte ich’s dir nicht sagen.“ (Thomas Mann, Joseph und seine Brüder I: Die Geschichten Jaakobs, S. 288 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de…

Die Schuld des Menschen

Die Götter wollten und ließen tun; aber die Schuld war des Menschen. (Thomas Mann, Joseph und seine Brüder I: Die Geschichten Jaakobs, S. 239 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1983])

Wann man schwach ist

„Wie schwach man ist, wenn man unrecht hat.“ Ich lernte später im Leben, daß er sich irrte und daß man schwach ist, wenn man keine Schuld hat. (Marcel Pagnol, Marcel. Das Schloß meiner Mutter, 8. Aufl. 1991, S. 121)

Conditio humana

Wir erbittern uns am meisten über Beschuldigungen, die zwar falsch sind, aber nicht gänzlich. (Thomas Mann, Joseph und seine Brüder I: Die Geschichten Jaakobs, S. 87 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1983])

Prototyp des Dichters

Aber das Gefühl eben neigt von Natur zur Zügellosigkeit und einem weichen Kult seiner selbst; es will sich nicht verbergen, es kennt keine Verschwiegenheit, es trachtet, sich zu bekennen, sich kundzutun, es möchte aller Welt, wie wir sagen, „unter die Nase gerieben“ sein, auf daß sie sich damit beschäftige. Dies ist die Unenthaltsamkeit der Gefühlvollen….