„Hitler liebte Hunde und kleine Kinder“

Narrative Verzerrungen gehen zwangsläufig aus unserem anhaltenden Bestreben hervor, die Welt zu verstehen. Die erklärenden Geschichten, die wir überzeugend finden, sind einfach; sie sind eher konkret als abstrakt und schreiben Begabung, Dummheit und Absichten eine größere Bedeutung zu als Glück. Sie konzentrieren sich auf ein paar markante Ereignisse, die geschehen sind, und nicht auf die zahllosen Ereignisse, die nicht geschehen sind…

Der … Halo-Effekt fördert die Kohärenz, weil er uns dazu veranlasst, sämtliche Eigenschaften einer Person aus unserer Sicht mit unserem Urteil über ein besonders bedeutsames Attribut zur Deckung zu bringen. Wenn wir beispielsweise einen Baseballwerfer für attraktiv und sportlich halten, werden wir ihn wahrscheinlich auch als einen überdurchschnittlich guten Werfer einstufen. Halo-Effekte können auch negativ sein: Wenn wir einen Spieler hässlich finden, werden wir seine sportlichen Fähigkeiten wahrscheinlich unterschätzen. Der Halo-Effekt trägt dazu bei, Erklärungen einfach und kohärent zu halten, indem er uns die Konsistenz von Beurteilungen überschätzen lässt: Gute Menschen tun nur Gutes, und schlechte Menschen sind von Grund auf schlecht…

Der entscheidende Test für die Güte einer Erklärung ist die Frage, ob sie das Ereignis im Vorhinein vorhersehbar gemacht hätte. Keine Geschichte über Googles unwahrscheinlichen Erfolg wird diesen Test bestehen, weil keine Geschichte die zahllosen Ereignisse einbeziehen kann, die auch ein anderes Ergebnis hätten hervorbringen können. Das menschliche Gehirn beschäftigt sich nicht mit Nichtereignissen. Die Tatsache, dass viele der stattgefundenen wichtigen Ereignisse auf Entscheidungen beruhten, verleitet Sie noch stärker, die Rolle von Können und Geschick überzubewerten und den Anteil, den das Glück an dem Ergebnis hatte, zu unterschätzen. Weil jede maßgebliche Entscheidung positiv ausging, deutet die Geschichte auf ein beinahe makelloses Vorauswissen hin – aber Pech hätte jeden einzelnen der erfolgreichen Schritte zunichtemachen können. Der Halo-Effekt gibt dem Ganzen den letzten Schliff und verleiht den Helden der Geschichte eine Aura der Unbesiegbarkeit.

(Daniel Kahneman, Schnelles Denken, langsames Denken, 15. Aufl. 2012, S. 247 ff.)

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