Nichtsein

Wir sterben in den Wehen unserer Geburt. Wir sind niemals gewesen, wir sind auch jetzt nicht. Wir sind immerzu im Werden, immerzu einsam und losgelöst. Für immer außen. (Henry Miller, Das Lächeln am Fuße der Leiter, 33. Aufl. 2019, S. 78)

Erkenntnis im Verzicht

Nun weiß ich, wer ich bin, was ich bin und was ich tun muss. Das ist die Wirklichkeit… Fraglich war nicht die Richtung, in der er aufbrechen… sollte, fraglicher war… Er versuchte, es sich selbst in sehr, sehr einfachen Worten zu erklären. War es nicht vielleicht so, dass er sich sehr wohl befand, so wie…

Der beliebte Clown

„Der beliebte Clown!“ Seine besondere Aufgabe war, die Irrtümer und Sinnlosigkeiten, allen Wahnsinn und alle Missverständnisse, die wie Seuchen die Menschheit quälen, wiederzuerwecken und darzustellen. Die Albernheit selbst, Gestalt geworden in der Manege, das begriff auch der dümmste Einfaltspinsel. Nichts zu verstehen, wo alles klar am Tage liegt, den Trick nicht zu erfassen, wenn er…

Wieder ein Mensch

Wie er so saß, …, fing er an zu begreifen, dass jenes abseitige Leben, das er eifersüchtig als sein alleiniges Eigentum bewacht hatte, diese heimliche Existenz, die scheinbar den innersten Kern seines Wesens bewahrte, letzten Endes kein Leben war, dass sie ein Nichts war, nicht einmal der Schatten eines Lebens. Zu leben begonnen hatte er…

Der Rolle ledig

Er vergaß sich in der Erfüllung der einfachen und harten Forderungen des Tages… Er fühlte sich frei, so frei, wie er sich als Mitspieler nie gefühlt hatte. Oh, es war wundervoll, der Rolle ledig zu sein und völlig einzutauchen in die gestaltlose Gleichförmigkeit des Lebens, ein Staubkorn zu werden unter Millionen und dabei… ja, und…

Nicht zum Lachen!

Ich lache, aber es ist nicht zum Lachen, wenn man den Menschen immerfort dankbar sein muß, daß man lebt. (Max Frisch, Andorra, 1975, S. 26)

Kein Lebensinhalt

Wahrscheinlich kann man vom Nichtwollen seelisch nicht leben; eine Sache nicht tun wollen, das ist auf die Dauer kein Lebensinhalt… (Thomas Mann, Späte Erzählungen – Mario und der Zauberer, S. 186 ff. [231] [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])

Der schwankende Sinn der Liebe

Schwankender Sinn? Aber man lasse in Gottes Namen den Sinn der Liebe doch schwanken! Daß er schwankt, ist Leben und Menschlichkeit… (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 841 f. [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])

Lebensbefehl

… Lebensbefehl… (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 766 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])

Das Erlebnis des Todes

Das Erlebnis des Todes muß zuletzt das Erlebnis des Lebens sein, oder es ist nur ein Spuk. (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 641 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])

Sprache als Gleichnis

Der Mensch tut keine nur einigermaßen gesammelte Äußerung allgemeiner Natur, ohne sich ganz zu verraten, unversehens sein ganzes Ich hineinzulegen, das Grundthema und Urproblem seines Lebens irgendwie im Gleichnis darzustellen. (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 500 f. [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])

Die einzige Art, den Tod zu betrachten

Gestatten Sie. Gestatten Sie mir, …, Ihnen zu sagen und Ihnen ans Herz zu legen, daß die einzig gesunde und edle, übrigens auch – ich will das ausdrücklich hinzufügen – auch die einzig religiöse Art, den Tod zu betrachten, die ist, ihn als Bestandteil und Zubehör, als heilige Bedingung des Lebens zu begreifen und zu…