Das Leben als Detektivroman

Das Schicksal verfährt oft mit uns wie der Verfasser eines Detektivromans. Stück für Stück und Schritt für Schritt enthüllt es uns einen Sachverhalt, der uns bis zur endgültigen Aufhellung verborgen war, und die Überraschung, die wir dann erleben, rührt nur davon her, daß mit unserm Scharfsinn und unserer Urteilskraft ein geschicktes Spiel getrieben wurde. (Jakob…

Geschäftsmodell des IS

Zitat des Tages: „Zur Finanzierung des Anschlags sollen die Angeklagten … geplant haben, dem Vatikan ein Video mit einem Lebenszeichen eines … in Syrien entführten Priesters zu verkaufen.“

Das ist geisteskrank!

Der kranke Geist erregt nicht Mitleid wie der kranke Körper, sondern Furcht und Abneigung. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 236)

Kasuistik der Gefühle

… Kasuistik der Gefühle… (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 199)

Starr vor Staunen

Jedoch war eine meiner verhängnisvollsten Eigenschaften die, daß ich gegen einen Willensmenschen hauptsächlich deshalb unterlag, weil mich das Phänomen der Willenskraft an sich in so nachhaltiges Staunen versetzte, daß ich mich zu einem Entschluß erst dann aufraffte, wenn der andere bereits über mich verfügt hatte. Dann redete ich mir ein, ich hätte das Meinige getan,…

Ehre, wem Ehre gebührt!

Wenn man mit einem Schriftsteller korrespondiert, macht man geistig Toilette. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 184)

Sei gefälligst gefällig!

Eine sonderbare Eigenschaft, unter der ich noch heute leide, zwingt mich, jedem Ruf, jeder Aufforderung zu folgen, die an mich ergehen, so, als ob ich fürchten müßte, diejenigen zu verletzen oder nur zu verstimmen, die sich vergeblich um mich bemühen. Manchmal freilich steckt nichts als Trägheit dahinter: Man geht gedankenlos in die Richtung, in die…

Auf Verehrer bauen?

… auf Verehrer kann man nur bauen, wenn man ihrer Hilfe nicht bedarf. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 179)

Liebe zur Literatur? Nichts als selbstvergessene Schwärmerei!

Gewöhnlich ist es ja so, und das wirft ein eigentümliches Licht auf die menschliche Natur, daß die enthusiastische Vorliebe für Dichtung und Gedicht oft nur einen inneren Hohlraum umkleidet und dort, wo sie zu Lebensverantwortungen zwingen müßte, in selbstvergessene Schwärmerei zerfließt. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 178)

Makulatur der Seele

Wenn mein Zimmer voll Rauch und Qualm ist, kann ich die Fenster aufmachen und den Stank abziehen lassen. Wenn aber das ganze Leben davon bedeckt ist, Vergangenheit und Zukunft, das Herz, der Geist, die Phantasie, und wenn man sich außerdem noch sagen muß: Du hast nichts dagegen getan, hast keine Vorkehrungen getroffen, hast ruhig zugesehen,…

Geänderte Verhältnisse

… aber das Verhältnis zur Zeit hat sich geändert. Vielleicht, weil man immer ärmer daran wird. Vielleicht, weil man die Selbsttäuschung merkt, die im Abspinnen der Lebensgeschäfte liegt. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 158)