Sich verstehen: Ist das eine Entdeckung oder eine Erschaffung? (Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon, 3. Aufl. 2006, S. 415)
Schlagwort: Verstehen
Die Brandspuren des elterlichen Wollens und Fürchtens
Ich erzittere beim bloßen Gedanken an die ungeplante und unbekannte, doch unausweichliche und unaufhaltsame Wucht, mit der Eltern in ihren Kindern Spuren hinterlassen, die sich, wie Brandspuren, nie mehr werden tilgen lassen. Die Umrisse des elterlichen Wollens und Fürchtens schreiben sich mit glühendem Griffel in die Seelen der Kleinen, die voller Ohnmacht sind und voller…
Was wir wissen und was wir nicht wissen
Wir wissen immer schon alles, auch als Kind, wir wissen nur nicht, dass wir es wissen. (Ijoma Mangold, Das deutsche Krokodil, 2. Aufl. 2017, S. 323).
Verstehen durch Leiden
… so mußte er die Menschen gleichsam erst erleiden, um sie verstehen zu können. (Jakob Wassermann, Etzel Andergast, 1988, S. 281)
Wir verstehen nur, was wir verstanden haben
Thomas Mann forderte von seinen Lesern, den „Zauberberg“ zweimal zu lesen. Warum? Beim ersten Lesen steht das Narrative ganz im Vordergrund: Die erzählte Geschichte muss zuallererst verstanden werden. Rückbezüge, Vorverweise, Strukturen, Muster usw. werden erst später bewusst: Die Ordnung des Textes entdeckt man – und seine Schönheit – meist erst im zweiten Lesedurchgang. In den Worten Thomas…
Reuß, Die Mitarbeit des Schriftbildes am Sinn
Eine gepflegte Typografie ist kein Luxus, sondern Voraussetzung und Bedingung für einen angemessenen Umgang mit Texten. Wo sie wegfällt, leidet mit erschwerter Lesbarkeit auch das Textverständnis.
Jenseits der Verzweiflung
Verzweiflung ist das Ergebnis jedes ernstlichen Versuches, das Menschenleben zu begreifen und zu rechtfertigen. Verzweiflung ist das Ergebnis eines jeden ernstlichen Versuches, das Leben mit der Tugend, mit der Gerechtigkeit, mit der Vernunft zu bestehen und seine Forderungen zu erfüllen. Diesseits dieser Verzweiflung leben die Kinder, jenseits die Erwachten. (Hermann Hesse, Die Morgenlandfahrt, 11. Aufl….
Das Übel der Worte
Aber hierin liegt doch das Übel! In den Worten! Wir tragen alle eine Welt von Dingen in uns; jeder seine eigene Welt! Doch wie sollen wir einander verstehen, Herr Direktor, wenn ich in die Worte, die ich spreche, den Sinn und die Bedeutung der Dinge lege, die in mir sind, während jener, der sie hört,…
Schlauer als der Autor
Der Text wußte mehr als der Autor. (Heiner Müller, Krieg ohne Schlacht – Leben in zwei Diktaturen, 1992, S. 352)
Wissen
„Das weißt du nicht?“ fragte der Hundejüngling. „Ich kann nicht genau unterscheiden“, antwortete Jaakob, „was ich von mir aus weiß und was ich von dir erfahre.“ „Wüßtest du’s nicht“, gab jener zurück, „so könnte ich’s dir nicht sagen.“ (Thomas Mann, Joseph und seine Brüder I: Die Geschichten Jaakobs, S. 288 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de…
Verstehen: in Anspielungen
…, daß die Zeichentechnik sich inzwischen in eine Denktechnik verflüchtigt hat, welche der verkürzten, aber mit Bedeutungsgehalt durchsättigten Zeichen gleichsam nur zu Anspielungen bedarf, die ausschließlich ein Eingeweihter der betreffenden Sprachgemeinschaft versteht. (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1998, S. 732)
Verstehen: mit Worten
Die Tätigkeit des Sprechens in Worten, …, besteht darin, daß wir durch Wortklänge Bedeutungsgefühle wecken, die durch den Klang der Wortverbindungen weitere Beziehungsgefühle wachrufen. Wir sind durch die Schule des Sprechenlernens geübt, in dieser abkürzenden und andeutenden Form sowohl die Lichtdinge und Lichtbeziehungen wie die daraus abgezogenen Denkdinge und Denkbeziehungen zu verstehen. (Oswald Spengler, Der Untergang…