Bürgerlicher Tod und Verklärung

… die bunten und lustigen Möglichkeiten des Lebens beginnen so recht erst jenseits einer gründlich aufräumenden Katastrophe, die man treffend als den bürgerlichen Tod bezeichnet, und eine der hoffnungsreichsten Lebenslagen ist die, wenn es uns so schlecht geht, daß es uns nicht mehr schlechter gehen kann. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 73 [Frankfurter…

Lebensbedingung

Die Bedingung, unter der ich einzig zu leben vermag, ist Ungebundenheit des Geistes und der Phantasie… (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 37 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])

Das eingebrannte Zeichen des einzigen, winzigen Pfirsichs

… schon ein einziger, winziger Pfirsich, den ein älterer Bruder einmal langsam durchschnitten und geteilt hat, ohne ihn dann wirklich mit dem jüngeren Bruder zu teilen, kann ein Leben vergiftendes Zeichen sein, dass sich tief eingebrannt hat. Eingebrannte Details sind Zeichen, die man sich ein Leben lang merkt. In Momenten von Traurigkeit treten sie geradezu inflationär auf…

Das erotische Moment der Lehre

… so manches zeigen und dabei genießen zu dürfen, wie ein junger Mensch die großen Lebensthemen zum ersten Mal erkennt und begreift. (Hanns-Josef Ortheil, Das Kind, das nicht fragte, 6. Aufl. 2014, S. 303)

Im Konflikt mit Pietät und Dankbarkeit

Auch den harmlosen Menschen bleibt es kaum erspart, einmal oder einigemal im Leben in Konflikt mit den schönen Tugenden der Pietät und der Dankbarkeit zu geraten. Jeder muß einmal den Schritt tun, der ihn von seinem Vater, von seinen Lehrern trennt, jeder muß etwas von der Härte der Einsamkeit spüren, wenn auch die meisten Menschen…

Priesterleben

Der Priester will nicht bekehren, er will nur unter Gläubigen, unter seinesgleichen leben und will Träger und Ausdruck sein für das Gefühl, aus dem wir unsere Götter machen. (Hermann Hesse, Demian, 54. Aufl. 2024, S. 130)

Bestand der Welt

Wir ziehen die Grenzen unserer Persönlichkeit immer viel zu eng! Wir rechnen zu unserer Person immer bloß das, was wir als individuell unterschieden, als abweichend erkennen. Wir bestehen aber aus dem ganzen Bestand der Welt, jeder von uns, und … so haben wir in der Seele alles, was je in Menschenseelen gelebt hat. (Hermann Hesse, Demian,…

Kindheit in Trümmern

… der Garten war ohne Duft, der Wald lockte nicht, die Welt stand um mich her wie ein Ausverkauf alter Sachen, fad und reizlos, die Bücher waren Papier, die Musik war ein Geräusch. So fällt um einen herbstlichen Baum her das Laub, er fühlt es nicht, Regen rinnt an ihm herab, oder Sonne, oder Frost,…

Hälfte der Welt

Ich sehe, du denkst mehr, als du einem sagen kannst. Wenn das nun so ist, dann weißt du aber auch, daß du nie ganz das gelebt hast, was du dachtest, und das ist nicht gut. Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert. Du hast gewußt, daß deine ‚erlaubte Welt‘ bloß die Hälfte der…

Ein neues, nie zuvor gelebtes Leben leben

Wichtig ist im Leben eigentlich nur, … dass man den Mut hat, ein neues Leben zu führen, eines, das noch niemand zuvor gelebt hat. Die meisten Leute sind feige und beschränken sich darauf, eines zu leben, das es schon oft gegeben hat. Mit denen wirst du Schwierigkeiten kriegen, aber das braucht dich nicht zu kümmern….

Nicht suchen und doch finden

Manche Dinge findet man nicht, wenn man sie sucht, so schlau und kühn man es auch anstellen mag, denn manche Dinge kommen zu einem, wenn man gar nicht danach verlangt. Die große Liebe etwa kommt nur dann, wenn man sie eben nicht sucht. Anderes wieder muss man suchen, suchen, suchen, nur dann gibt es eine…

Starke Kinder, schwache Eltern

Und das ist richtig: Jedes Kind sollte Schmerz, Trauer, Leid – auch Tod – erfahren dürfen, damit sie daran erstarken und so für das Leben gerüstet sind. Im Übrigen dürfen wir darauf vertrauen, dass Kinder aus sich selbst heraus stark sind, stärker als wir es ihnen in unserer Schwäche zutrauen. Es ist daher unsere eigene…