Selbstsucht ist nicht dasselbe wie Selbstliebe, sondern deren genaues Gegenteil. Selbstsucht ist eine Art Gier. Wie jede Gier ist sie unersättlich und daher nie wirklich zu befriedigen… Der Gierige erschöpft sich in der nie endenden Anstrengung, seine Bedürfnisse zu befriedigen, ohne daß ihm dies je gelingt. Genaue Beobachtung zeigt, daß der Selbstsüchtige … niemals Ruhe…
Kategorie: Was er liest
Selbstliebe und Fremdliebe
Ausschließliche Liebe zu einer bestimmten Person ist ein Widerspruch in sich selbst… [W]er nur andere „lieben“ kann, … kann … überhaupt nicht lieben. (Erich Fromm, Die Furcht vor der Freiheit, 24. Aufl. 2020, S. 88 f.)
Der äußere und der innere Kampf um die Freiheit
Weil sich in der modernen Geschichte die Aufmerksamkeit im Kampf um die Freiheit immer auf die alten Formen der Autorität und des Zwanges konzentrierte, hatte man natürlich das Gefühl, um so mehr an Freiheit zu gewinnen, je mehr man diese traditionellen Zwänge beseitigte. Dadurch erkennen wir nicht genügend, daß der Mensch sich zwar die alten…
Die psychologische Bedeutung des Glaubens
Psychologisch hat der Glaube zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen. Er kann Ausdruck einer inneren Weltverbundenheit und eine Bejahung des Lebens sein; oder er kann eine Reaktionsbildung gegen ein fundamentales Gefühl des Zweifelns sein, das der Isolierung des Betreffenden und seiner negativen Einstellung zum Leben entspringt. (Erich Fromm, Die Furcht vor der Freiheit, 24. Aufl. 2020, S. 62)
Kompensationsruhm
Wenn der Sinn des Lebens zweifelhaft geworden ist, wenn die Beziehung zu anderen Menschen und zur eigenen Person keine Sicherheit mehr bietet, dann ist der Ruhm ein Mittel, die Zweifel verstummen zu lassen: Er hat etwa die Funktion der ägyptischen Pyramiden oder des christlichen Glaubens an die Unsterblichkeit… (Erich Fromm, Die Furcht vor der Freiheit, 24….
Kultur der Unterdrückung
Je größer die Unterdrückung, um so mehr Kultur… (Erich Fromm, Die Furcht vor der Freiheit, 24. Aufl. 2020, S. 14)
Das kurze Leben der Wahrheit
Nirgends hat die Wahrheit ein so kurzes Leben wie in Sizilien: vor fünf Minuten ist die Sache geschehen, und schon ist ihr echter Kern verschwunden, vermummt, verschönt, seiner Gestalt beraubt, unterdrückt, zunichtegemacht von der Phantasie und von den Interessen: Scham, Angst, Großmut, Mißgunst, Opportunismus, Nächstenliebe, alle Leidenschaften, die guten wie die bösen, stürzen sich auf…
Trügerischer Trost
… jetzt, gerade in dem Augenblick, in dem nach Jahrzehnten die Erinnerungen wieder lebendig wurden, ging ihr der Trost verloren, ihr Unglück anderen zurechnen zu können – ein Trost, der für Verzweifelte den letzten trügerischen Betäubungstrank darstellt. (Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Der Leopard, 32. Aufl. 2019, S. 327)
Mit dem eigenen Gesicht sterben
Warum nur ließ Gott es nicht zu, daß ein Mensch mit seinem eigenen Gesicht stürbe? Denn es geschieht allen das gleiche: man stirbt mit einer Maske auf dem Gesicht… (Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Der Leopard, 32. Aufl. 2019, S. 293)
Liebeshindernis
… sie besaß viel zuviel Stolz und Ehrgeiz, um fähig zu sein zu jenem zeitweiligen völligen Aufgeben der eigenen Persönlichkeit, ohne das es Liebe nicht gibt… (Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Der Leopard, 32. Aufl. 2019, S. 169)
Vorteilhafter Altruismus
… ein gut erzogener Mensch … tut im Grunde nichts weiter, als die immer unangenehmen Kundgebungen eines großen Teils der menschlichen Bedingtheit fortzulassen und eine Art vorteilhaften Altruismus auszuüben… (Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Der Leopard, 32. Aufl. 2019, S. 164)
Geistige Tatkraft
… eine bestimmte, zum rein Geistigen hinstrebende Tatkraft, eine Neigung, die Lebensform in dem zu suchen, was von ihm selbst ausging, und nicht in dem, was er den anderen entreißen konnte. (Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Der Leopard, 32. Aufl. 2019, S. 163 f.)