Furcht und Gedanken

Je mehr Furcht, desto mehr Gedanken. (Peter Høeg, Der Plan von der Abschaffung des Dunkels, 1998, S. 106)

Jenseits der Verzweiflung

Verzweiflung ist das Ergebnis jedes ernstlichen Versuches, das Menschenleben zu begreifen und zu rechtfertigen. Verzweiflung ist das Ergebnis eines jeden ernstlichen Versuches, das Leben mit der Tugend, mit der Gerechtigkeit, mit der Vernunft zu bestehen und seine Forderungen zu erfüllen. Diesseits dieser Verzweiflung leben die Kinder, jenseits die Erwachten. (Hermann Hesse, Die Morgenlandfahrt, 11. Aufl….

Gnade nicht durch Reue

Die Reue allein hilft nichts, man kann die Gnade nicht durch Reue erkaufen, man kann sie überhaupt nicht erkaufen. (Hermann Hesse, Die Morgenlandfahrt, 11. Aufl. 1998, S. 23)

Das Exemplarische

Man muß alle in einem Rahmen im Gleichgewicht halten und das darstellen, was darstellbar ist! Das weiß ich auch, daß ein jeder sein besonderes Leben in sich trägt und es nach außen kehren möchte. Aber das Schwierige ist doch dies: gerade so viel herauszulassen, wie in Verbindung mit den anderen nötig ist; und doch in…

Wir sind viele!

Sehen Sie, meiner Überzeugung nach hält sich jeder von uns für „einen“. Aber das ist nicht richtig: er ist „viele“, Herr Direktor, „viele“, all den Seinsmöglichkeiten entsprechend, die in uns sind: „einer“ für diesen und „einer“ für jenen – immer anders! Und wir geben uns dabei der Täuschung hin, für alle stets „eine“ zu sein,…

Das Übel der Worte

Aber hierin liegt doch das Übel! In den Worten! Wir tragen alle eine Welt von Dingen in uns; jeder seine eigene Welt! Doch wie sollen wir einander verstehen, Herr Direktor, wenn ich in die Worte, die ich spreche, den Sinn und die Bedeutung der Dinge lege, die in mir sind, während jener, der sie hört,…

Form haben und Form sein

Alles, was lebt, hat Form dadurch, daß es lebt, und muß darum auch sterben: mit Ausnahme des Kunstwerks, das, eben weil es Form ist, für immer lebt. (Luigi Pirandello, Sechs Personen suchen einen Autor, 1995, S. 16)

Der einzige Grund unseres Lebens

[E]s ist nicht möglich zu glauben, daß der einzige Grund unseres Lebens in einer Qual besteht, die uns ungerecht und unerklärlich erscheint. (Luigi Pirandello, Sechs Personen suchen einen Autor, 1995, S. 11)

Höchstgeschwindigkeit: bei Schiff und Mensch

Sie müssen sich das so vorstellen…, jeder Schiffsrumpf hat eine ihm eigene Höchstgeschwindigkeit, die er nie überschreitet, was immer Sie takeln, bei jedem Wetter. So ist das auch mit mir. (Sten Nadolny, Die Entdeckung der Langsamkeit, 1998, S. 57 f.)

In den Dingen der Welt

Sinn und Wesen waren nicht irgendwo hinter den Dingen, sie waren in ihnen, in allem. „Wie bin ich taub und stumpf gewesen!“ dachte der rasch Dahinwandelnde. „Wenn einer eine Schrift liest, deren Sinn er suchen will, so verachtet er nicht die Zeichen und Buchstaben und nennt sie Täuschung, Zufall und wertlose Schale, sondern er liest…