Das Theater

Das Theater ist ja, zumal in der Provinz, ein einziger Säuferverein. In trostlosen Kantinen und holzvertäfelten Kneipen kippt man Biere und Kurze und verlallt sich die schiere Unentrinnbarkeit zu einem schummrigen Zusammengehörigkeitsgefühl zurecht. Dazu sind Psychodynamiken am Werk, die denen einer dysfunktionalen Familie ähneln, jedoch im Zeitraffer durchgespielt. Man hängt aufeinander, spielt die intensivsten Rollen durch, lässt Konflikte wuchern und aufplatzen, schmiedet Koalitionen und Ränke, lässt Fiktion und Realität verschwimmen und trinkt sich am Ende noch ins Nirwana.

(Thomas Melle, Die Welt im Rücken, 5. Aufl. 2016, S. 141 f.)

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