Ist man mit dem eigenen Freitod beschäftigt, denkt man oft auch an die Nachwelt und an die Schmerzen, die man dieser eigentlich nicht zufügen möchte. Geburtstage naher Personen sind dann als Sterbedatum zu vermeiden, denn man will deren Ehrentag nicht für alle Zeiten mit dem eigenen Tod verlinken und beschweren.
Überall sind Verwicklungen. Man wartet noch auf ein Gespräch und wägt dann, findet es statt, die eigenen Worte ab – es könnten ja die letzten sein. Das aber ist albern, denn es wiederholt sich, jedes Wort könnte das letzte sein und damit eigentlich auch gar keines…
Der Versuch, es und sich mitzuteilen, ohne die anderen zu sehr zu beschweren, muss misslingen. Entweder ist es eine unerträgliche Belastung, die, einmal geäußert, absurd im Raum steht und institutionell weggeregelt werden muss, oder es wird schon von eigener Seite als unernste Koketterie abgetan, die gleichwohl einen unsäglichen Schmerz äußern will…
Selbstmörder sind die einsamsten Menschen auf Erden.
(Thomas Melle, Haus zur Sonne, 2025, S. 193 f.)