… wie es ja denn der Nutzen langer Vorübungen und einer gewissenhaften Vertiefung ins Zukünftige ist, daß in der Stunde der Anwendung etwas Nachtwandlerisch-Mittleres zwischen Tun und Geschehen, Handeln und Leiden sich herstellt, welches unsere Aufmerksamkeit kaum in Anspruch nimmt, und zwar um so weniger, da die Wirklichkeit meistens geringere Anforderungen stellt, als wir ihr allenfalls zutrauen zu müssen glaubten, und wir uns dann wohl in der Lage eines Mannes befinden, der bis an die Zähne gerüstet in einen Kampf geht, worin er, um zu siegen, nur ein einziges Waffenstück leichthin zu handhaben braucht. Denn wer auf sich hält, übt das Schwerste, um sich im Leichteren desto fertiger zu bewähren, und ist froh, wenn er, um zu triumphieren, nur die zartesten, leisesten Mittel spielen zu lassen braucht, da er den groben und wilden ohnehin abhold ist und sich nur notfalls zu ihnen versteht.
(Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 100 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])