Wenn mein Zimmer voll Rauch und Qualm ist, kann ich die Fenster aufmachen und den Stank abziehen lassen. Wenn aber das ganze Leben davon bedeckt ist, Vergangenheit und Zukunft, das Herz, der Geist, die Phantasie, und wenn man sich außerdem noch sagen muß: Du hast nichts dagegen getan, hast keine Vorkehrungen getroffen, hast ruhig zugesehen, wie alles versaut ist, hast deine Seele, statt sie zu wahren, statt ihrer zu achten, dem Moloch Arbeit in den Rachen geworfen, so lange in den Rachen geworfen, bis sie, wie das Zeug da auf dem Tisch, zu Makulatur geworden ist… Was versprechen Sie sich da noch vom Fensteraufmachen?
(Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 165)