Mein tägliches Notieren von neuen und seltsamen Worten aus meiner Umgebung machte zusammen mit dem Abschreiben von merkwürdigen oder gar schönen Stellen aus den Büchern ein unentwegt schreibendes Kind aus mir, das freilich keinen einzigen Satz aufschrieb, den es sich selbst ausgedacht hatte. Ich schrieb also ab, ich exzerpierte und ich kombinierte meine jeden Tag…
Schlagwort: Wort
Nimbusverlust
Denn das Wort ist der Feind des Geheimnisvollen und ein grausamer Verräter der Gewöhnlichkeit. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 120 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])
Zart und schwebend reden
Von zarten und schwebenden Dingen heißt es zart und schwebend reden… Nur an den beiden Polen menschlicher Verbindung, dort, wo es noch keine oder keine Worte mehr gibt, im Blick und in der Umarmung, ist eigentlich das Glück zu finden, denn nur dort ist Unbedingtheit, Freiheit, Geheimnis und tiefe Rücksichtslosigkeit. Alles, was an Verkehr und…
Diebstahl in Wort und in Tat
Ohne Zweifel wird man mir entgegenhalten, daß, was ich da ausgeführt, gemeiner Diebstahl gewesen sei. Demgegenüber verstumme ich und ziehe mich zurück; denn selbstverständlich kann und werde ich niemanden hindern, dieses armselige Wort zur Anwendung zu bringen, wenn es ihn befriedigt. Aber ein anderes ist das Wort – das wohlfeile, abgenutzte und ungefähr über das…
Wortdusche
… Wortdusche… (Hanns-Josef Ortheil, Das Kind, das nicht fragte, 6. Aufl. 2014, S. 66)
Dieser Weg wird kein leichter sein
Die Dinge, die wir sehen, …, sind dieselben Dinge, die in uns sind. Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben. Darum leben die meisten Menschen so unwirklich, weil sie die Bilder außerhalb für das Wirkliche halten und ihre eigene Welt in sich gar nicht zu Wort kommen lassen. Man kann glücklich…
Vom Übersteigen der Buchstaben und Worte
Wenn man dasselbe Wort mehrmals hintereinander spricht, verschwimmt irgendwann dessen Bedeutung. An diesem Punkt übersteigt der Buchstabe den Buchstaben, und das Wort die Worte. (Won-pyung Sohn, Mandel, 2024, S. 45)
Die Leerstellen der Bücher
Die Welt der Filme, Serien oder Animes war von vornherein so detailliert, dass es keine Leerstellen gab, die ich selbst füllen konnte. Die Geschichten auf dem Bildschirm präsentierten sich genauso, wie sie gefilmt oder gezeichnet waren… Bücher aber waren anders. Sie hatten viele Leerstellen. Leerstellen zwischen Wörtern, sogar zwischen den Zeilen. Ich konnte mich in…
Literarisches Coming-out
Die Liebe zur Literatur, zur Sprache, zum Mysterium des Verstandes und des Herzens, wie sie sich in den kleinen, seltsamen und unerwarteten Kombinationen von Buchstaben und Wörtern zeigte, in der schwärzesten, kältesten Druckertinte – die Liebe, die er verborgen gehalten hatte, als wäre sie gefährlich und verboten, diese Liebe begann er nun offen zu zeigen,…
Never to Heaven
My words fly up, my thoughts remain below; Words without thoughts never to heaven go. (William Shakespeare, Hamlet, Act III Scene 3)
Wort und Sinn
Die Worte tun dem … Sinn nicht gut, es wird immer alles gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht, ein wenig verfälscht… (Hermann Hesse, Siddhartha, 28. Aufl. 1987, S. 116)
Der beste Gedanke
Ich habe einen Gedanken gefunden, …, den du wieder für Scherz oder für Narrheit halten wirst, der aber mein bester Gedanke ist. Er heißt: von jeder Wahrheit ist das Gegenteil ebenso wahr! Nämlich so: eine Wahrheit läßt sich immer nur aussprechen und in Worte hüllen, wenn sie einseitig ist. Einseitig ist alles, was mit Gedanken…