Aphorismus-Aphorismus

Der Aphorismus begründet sein apodiktisches Urteil nicht und regt zum Spekulieren an.

Gewaltenteilung!

Wehe Dem armen Opfer, wenn derselbe Mund, Der das Gesetz gab, auch das Urteil spricht! (Friedrich Schiller, Maria Stuart, 2001, V. 858 ff.)

Nicht nach dem Buchstaben

…er soll ja nicht nach dem Buchstaben gerichtet werden… (Hermann Hesse, Die Morgenlandfahrt, 20. Aufl. 2021, S. 89)

Urteil in eigener Sache

[W]er würde es ertragen, den Spruch eines allwissenden Gerichtshofes über sich selbst zu vernehmen? (Hermann Hesse, Die Morgenlandfahrt, 20. Aufl. 2021, S. 80)

Verstrickt

Das Urteil kommt nicht mit einemmal, das Verfahren geht allmählich ins Urteil über. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 194 f.)

Ich weiß, dass mir ein Anwalt lebt!

Ich habe einmal in einer Schrift den Unterschied sehr schön ausgedrückt gefunden, der zwischen der Vertretung in gewöhnlichen Rechtssachen und der Vertretung in diesen Rechtssachen besteht. Es hieß dort: Der eine Advokat führt seinen Klienten an einem Zwirnfaden bis zum Urteil, der andere aber hebt seinen Klienten gleich auf die Schultern und trägt ihn zum…

Schuldlos?

„Doch“, sagte K., „glauben Sie denn daß ich schuldlos bin?“ „Nun schuldlos…“, sagte das Fräulein, „ich will nicht gleich ein vielleicht folgenschweres Urteil aussprechen… (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 30)

Absolute Gerechtigkeit

Vom höheren Standpunkt der Pest aus waren vom Direktor bis zum letzten Sträfling alle verurteilt, und zum ersten Mal vielleicht herrschte im Gefängnis absolute Gerechtigkeit. (Albert Camus, Die Pest, 90. Aufl. 2020, S. 192)

Zwei Seiten eines Charakters

Leider wohnt den Bezeichnungen von Charaktereigenschaften regelmäßig ein moralisches Urteil inne, sei es im lobenden oder tadelnden Sinn, obgleich sie alle ihre zwei Seiten haben. (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 171 f. [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])