Vom Übersteigen der Buchstaben und Worte

Wenn man dasselbe Wort mehrmals hintereinander spricht, verschwimmt irgendwann dessen Bedeutung. An diesem Punkt übersteigt der Buchstabe den Buchstaben, und das Wort die Worte. (Won-pyung Sohn, Mandel, 2024, S. 45)

Die Leerstellen der Bücher

Die Welt der Filme, Serien oder Animes war von vornherein so detailliert, dass es keine Leerstellen gab, die ich selbst füllen konnte. Die Geschichten auf dem Bildschirm präsentierten sich genauso, wie sie gefilmt oder gezeichnet waren… Bücher aber waren anders. Sie hatten viele Leerstellen. Leerstellen zwischen Wörtern, sogar zwischen den Zeilen. Ich konnte mich in…

Väter und Söhne

Wenn mein Vater mich ins Bett schickte, zuckte ich … mit den Schultern, und wenn er Autorität vortäuschte und mich ermahnte, lachte ich nur. Denn er zeigte mir seine Angst und Unsicherheit, und das hielt ich nicht aus. (Benedict Wells, Vom Ende der Einsamkeit, 2018, S. 259)

Amor parentis

Die Gefühle für unsere Erzeuger gehören zu den Dingen, über die man sich besser nicht allzusehr den Kopf zerbricht. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 57)

Imago patris

Nicht zu wissen, wer der Vater ist, erlöst von der Angst, dem Vater zu gleichen. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 7)

Was Generalstäbe und Familien falsch machen

Sagt man nicht, daß die Generalstäbe ihre Armeen in Friedenszeiten immer vorzüglich vorbereiten – auf den letztvergangenen Krieg? Ich weiß nicht, wie es damit ist. Aber sicher erziehen alle gewissenhaften Familien ihrer Söhne stets vorzüglich für die letztvergangene Epoche. (Sebastian Haffner, Geschichte eines Deutschen – Die Erinnerungen 1914–1933, 2. Aufl. 2000, S. 100)

Fehler in Familien

Es gibt wenig Menschen, die sich mit dem Nächstvergangenen zu beschäftigen wissen. Entweder das Gegenwärtige hält uns mit Gewalt an sich, oder wir verlieren uns in die Vergangenheit und suchen das völlig Verlorene, wie es nur möglich sein will, wieder hervorzurufen und herzustellen. Selbst in großen und reichen Familien, die ihren Vorfahren vieles schuldig sind,…

In Eins

Glaubt mir, daß ich in Eins mit dem Vater, und der Vater in Eins ist mit mir. Wenn nicht, so glaubt um eben der Werke willen. (Joh 14, 11, in: Fridolin Stier [Übers.], Das Neue Testament, 1989, S. 237)