„Politische“ Streitführung in Recht, Politik und Wissenschaft

Wenn Sie eine Gerichtsverhandlung besuchen, wird Ihnen auffallen, dass Rechtsanwälte zwei Arten von Kritik vorbringen: Um eine Klage zum Scheitern zu bringen, ziehen sie die stärksten Argumente, auf denen diese beruht, in Zweifel; um einen Zeugen zu diskreditieren, konzentrieren sie sich auf den schwächsten Teil seiner Aussage. Auch in politischen Debatten konzentrieren sich die Kontrahenten…

Kielmansegg, Putins Sieg?

Den eigentümlichen deutschen Pazifismen zum Trotz und den Ukrainern zum Dank: Noch ist Europa nicht verloren.

Miasmen der Politik

Die Häßlichkeit und Bitternis des Lebens kennt man ganz nur in den Niederungen der Gesellschaft und an ihrer höchsten Spitze. Der gemeine Mann ist darin erfahren – und der die Miasmen der Politik atmende Staatenlenker. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 355 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])

Deutschlands kultiviertes Unwohlsein

Wenn ich … an Deutschland denke, sehe ich ein Land der Quiz- und Kochsendungen, der überdrehten, wichtigtuerisch vorgetragenen Wetterberichte und der sich täglich ins Kleinste verlaufenden politischen und ökonomischen Kommentare, die ein immerwährendes Unwohlsein verbreiten und dieses Unwohlsein kultivieren. (Hanns-Josef Ortheil, Das Kind, das nicht fragte, 6. Aufl. 2014, S. 331)

Politik als Mantel, Staat als Schuh

„Die Stärken eines politischen Systems bestünden doch vielleicht gerade darin, sich neuen Entwicklungen anzupassen wie ein gut sitzender Mantel. Schließlich sei ein legitimer Staat wie ein Schuh, den man nicht spürt, solange er nicht drückt.“ (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 179)

Gewissen und Gespür

„Ihr Gewissen ist heute ein schwanzwedelndes Hündchen, das mir die Hände leckt.“ „Ich habe kein Gewissen…“. „Aber ein Gespür für politische Notwendigkeiten. Das ist etwas sehr Ähnliches.“ (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 178)

Gesundheit als Staatsziel

Gesundheit ist das Ziel des natürlichen Lebenswillens und deshalb natürliches Ziel von Gesellschaft, Recht und Politik. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 7)

Der Völkerrechtler als Positivist

… auf einem Gebiet wie dem Völkerrecht, das sich seiner Natur nach vor allem durch Schwammigkeit auszeichnet, kann man nur eins sein: Positivist. Sonst können wir unsere Disziplin auch gleich umbenennen in Weltpolitik und sie den Diplomaten und Moralisten überlassen. (Juli Zeh, Adler und Engel, 30. Aufl. 2018, S. 253)

Mafia und Terrorismus

Bisher sind wir immer davon ausgegangen, dass Terroristen politisch agieren, …, während Mafiosi nur profitorientiert sind… Diese Unterscheidung macht aber keinen Sinn mehr, denn Mafiosi machen auch Politik und Terroristen bedienen sich krimineller Machenschaften, um ihre Zellen, Anschläge und sonstige Taten zu finanzieren… Die Unterscheidung dieser beiden Phänomene schwerster Kriminalität ist nur noch eine Frage…

Politische Einerleiheit

Zitat des Tages: „… und das politische Rechts fiel mehr und mehr mit dem Links zusammen“.

Schwindel in Politik und Gesellschaft

[M]it dem Ästhetischen … sinkt oder steigt das Moralische…, dem politischen Schwindel folgt der bürgerliche. (Heinrich Mann, Der Untertan, 21. Aufl. 2021, S. 239)

Ethik und Handeln

[M]an kann ja schlecht weniger schonungslos als der Gegner vorgehen, nur weil die Politik der eigenen Regierung eine friedfertige ist… (John le Carré, Der Spion, der aus der Kälte kam, 2. Aufl. 2016, S. 30)