Die Liebe zur Literatur, zur Sprache, zum Mysterium des Verstandes und des Herzens, wie sie sich in den kleinen, seltsamen und unerwarteten Kombinationen von Buchstaben und Wörtern zeigte, in der schwärzesten, kältesten Druckertinte – die Liebe, die er verborgen gehalten hatte, als wäre sie gefährlich und verboten, diese Liebe begann er nun offen zu zeigen,…
Schlagwort: Literatur
Schon immer gedacht
Er hatte das Gefühl, sich das, was er soeben gelesen hatte, immer schon gedacht zu haben… (Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, I Erstes und Zweites Buch, 1987, S. 616)
Wovon man nicht sprechen kann
Es gab Dinge, die ich nicht sagen, sondern nur schreiben konnte. Denn wenn ich redete, dann dachte ich, und wenn ich schrieb, dann fühlte ich. (Benedict Wells, Vom Ende der Einsamkeit, 2018, S. 233)
Von der Traurigkeit der Welt
Sich von der Traurigkeit der Welt nicht übermannen lassen; beobachten, merken, einfügen, auch das Quälendste, und übrigens guter Dinge sein… – ja freilich! Jedoch zuweilen wächst Ihnen die Sache trotz aller Vergnügungen des Ausdrucks ein wenig über den Kopf. Alles verstehen hieße alles verzeihen? Ich weiß doch nicht… – der Fall Hamlets, des Dänen… Er…
Die reinigende, heiligende Wirkung der Literatur
Die reinigende, heiligende Wirkung der Literatur, die Zerstörung der Leidenschaften durch die Erkenntnis und das Wort, die Literatur als Weg zum Verstehen, zum Vergeben und zur Liebe, die erlösende Macht der Sprache… – die Dinge so betrachten, hieße, sie nicht genau genug betrachten? (Thomas Mann, Frühe Erzählungen – Tonio Kröger, S. 273 ff. [302] [Frankfurter Ausgabe,…
Lebensklugheit
Aber mehr und mehr versüßte sich ihm auch die Lust am Worte und der Form, denn er pflegte zu sagen…, daß die Kenntnis der Seele allein unfehlbar trübsinnig machen würde, wenn nicht die Vergnügungen des Ausdrucks uns wach und munter erhielten… (Thomas Mann, Frühe Erzählungen – Tonio Kröger, S. 273 ff. [292] [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter…
Vereinigung von Humanismus und Politik
[D]ie Literatur sei nichts anderes als eben dies: sie sei die Vereinigung von Humanismus und Politik, welche sich um so zwangloser vollziehe, als ja Humanismus selber schon Politik und Politik Humanismus sei… Alle Sittigung und sittliche Vervollkommnung entstamme dem Geiste der Literatur, diesem Geiste der Menschenehre, welcher zugleich auch der Geist der Humanität und der…
Nicht zu fassen
[Er] … hatte die gleiche Verwandlung erlebt, …, durch Worte etwas zu erkennen, was sich in Worte nicht fassen ließ… (John Williams, Stoner, 10. Aufl. 2014, S. 126)
Die Welt verändern
[Er] bewegte … sich aus sich hinaus in die Welt, der er angehörte, weshalb er verstand, dass das von ihm gelesene Gedicht von Milton, der Essay von Bacon, das Theaterstück von Ben Jonson jene Welt veränderten, die zugleich ihr Thema war, und sie nur deshalb verändern konnten, weil sie darin fußten. (John Williams, Stoner, 10….
Liebe zur Literatur? Nichts als selbstvergessene Schwärmerei!
Gewöhnlich ist es ja so, und das wirft ein eigentümliches Licht auf die menschliche Natur, daß die enthusiastische Vorliebe für Dichtung und Gedicht oft nur einen inneren Hohlraum umkleidet und dort, wo sie zu Lebensverantwortungen zwingen müßte, in selbstvergessene Schwärmerei zerfließt. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 178)
Der Götterhimmel: eine Genealogie
Das Werk zeigt, dass die „griechisch-mediterrane Mythologie“ einen gigantischen mythologisch-religiös-literarischen Komplex darstellt. Durch die Veranschaulichung wird die gewaltige Wirkung der antiken Dichtungen für die Entwicklung unserer Kultur leichter nachvollziehbar.
Literatur und Philosophie
Der Philosophie scheint es nur um die Wahrheit zu gehen, aber vielleicht phantasiert sie, und der Literatur scheint es nur um die Phantasie zu gehen, aber vielleicht sagt sie die Wahrheit. (Antonio Tabucchi, Erklärt Pereira, 1995, S. 31)