Der Mensch ist ein so klägliches Wesen, dass er ein gemeines Wort wichtiger nimmt als hundert liebe. Wieso zählt ein: „Ich liebe dich!“, nicht ebenso viel wie ein: „Ist die Liebe schon vorbei?“ Wieso zählen hundert liebe Worte nicht hundert Mal mehr als ein gemeines? Wieso? Es ist teuflisch: So viel wird von der Gottesebenbildlichkeit…
Schlagwort: Liebe
Was Freundschaft und Liebe unterscheidet
Ich glaube, das Besondere an der Liebe ist, daß sie nie gleichbleiben kann; daß sie wachsen muß, wenn sie nicht abnehmen soll, und daß sie sich dadurch von der Freundschaft unterscheidet. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 264)
Keine Heilung
… wenn es krank sein heißt, Sie zu lieben, so möchte ich nie kuriert werden. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 192)
Amor amoris
Solange er liebt und geliebt werden will, kann sich der Liebende nicht so zeigen, wie er wirklich ist, und sieht auch den anderen nicht, wie er ist – sieht statt dessen ein selbstgeschaffenes Idol, das er mit allen Vorzügen ausstattet und das er vergöttert. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 72)
Im Reich der Empfindungen
Im Reich der Empfindungen ist das Wirkliche vom Eingebildeten nicht zu trennen. Und wenn es genügt, sich einzubilden, daß man liebt, um zu lieben, so genügt es auch, sich zu sagen, man bilde sich nur ein zu lieben, wenn man liebt, um sogleich etwas weniger zu lieben, ja, sich etwas von dem Geliebten zu lösen…
Kummer, Verzweiflung
Wenn mit der Zeit die geliehenen Gewänder nach und nach abgetragen sind, tritt eines Tages das wahre Wesen wieder hervor; und wer sich in jenes Blendwerk verliebt hatte, drückt nichts als den Aufputz gegen sein Herz, eine Erinnerung … Kummer, Verzweiflung. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 70)
Wer liebt, lügt
Unwillkürlich, unbewußt formt sich das Wesen von zweien, die sich lieben, nach den Erwartungen des anderen, sucht jeder der beiden Liebenden dem Idol zu gleichen, dessen er im Herzen des anderen ansichtig wird… Wer wirklich liebt, kann nicht mehr aufrichtig sein. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 69)
Von der Traurigkeit der Welt
Sich von der Traurigkeit der Welt nicht übermannen lassen; beobachten, merken, einfügen, auch das Quälendste, und übrigens guter Dinge sein… – ja freilich! Jedoch zuweilen wächst Ihnen die Sache trotz aller Vergnügungen des Ausdrucks ein wenig über den Kopf. Alles verstehen hieße alles verzeihen? Ich weiß doch nicht… – der Fall Hamlets, des Dänen… Er…
Die reinigende, heiligende Wirkung der Literatur
Die reinigende, heiligende Wirkung der Literatur, die Zerstörung der Leidenschaften durch die Erkenntnis und das Wort, die Literatur als Weg zum Verstehen, zum Vergeben und zur Liebe, die erlösende Macht der Sprache… – die Dinge so betrachten, hieße, sie nicht genau genug betrachten? (Thomas Mann, Frühe Erzählungen – Tonio Kröger, S. 273 ff. [302] [Frankfurter Ausgabe,…
Annäherung
Denn das Glück, sagte er sich, ist nicht, geliebt zu werden… Das Glück ist, zu lieben und vielleicht kleine, trügerische Annäherungen an den geliebten Gegenstand zu erhaschen. Und er schrieb diesen Gedanken innerlich auf, dachte ihn völlig aus und empfand ihn bis auf den Grund. (Thomas Mann, Frühe Erzählungen – Tonio Kröger, S. 273 ff. [290]…
Demütigender Widersinn
Der demütigende Widersinn quälte ihn, der darin lag, tanzen zu müssen, während man liebte… (Thomas Mann, Frühe Erzählungen – Tonio Kröger, S. 273 ff. [287] [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])
Verrat
Er ist immer so ganz allein und ohne Liebe, und nun glaubt er einen Menschen gefunden zu haben, und der verrät ihn… (Thomas Mann, Frühe Erzählungen – Tonio Kröger, S. 273 ff. [279] [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])