Die Farbe der Kindheit

„Meine Kindheit trägt die Farbe des Wortes Hämatom“… Ich weiß in etwa, was ich damit gemeint hatte, in der synästhetischen Verschiebung des Effekts, sehe aber auch das Pathos des erstmals Zurückblickenden, für den die eigene Kindheit und Jugend plötzlich objektivierbar werden. Die Farbe des Wortes: Auf ärztlichen Attesten und Gutachten hatte dieses Wort nämlich oft gestanden, immer wieder hatte…

Lächerliche Ärzte

Die ärztliche Wissenschaft will, daß Fieber notwendig nur die Folge der Vergiftung des Blutes durch einen Krankheitserreger sein könne und daß es ein Fieber aus anderen als körperlichen Ursachen nicht gebe. Das ist lächerlich. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 47 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])

Überwiegend gewöhnliche Hohlköpfe

Selbstverständlich macht der ärztliche Berufsstand von anderen keine Ausnahme darin, daß seine Angehörigen ihrer überwiegenden Mehrzahl nach gewöhnliche Hohlköpfe sind, bereit, zu sehen, was nicht da ist, und zu leugnen, was auf der Hand liegt. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 46 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])

Zweiklassenmedizin

Kennzeichnend für ihn [sc. den Arzt] war, daß er, wie ich aus eigenem Augenschein wußte, in seinem Wartezimmer nicht Ordnung und Reihenfolge hielt, sondern dem vermögenden und angesehenen Besucher vor dem länger wartenden schlichten ganz offenkundig den Vortritt ließ; wie er denn wohlsituierte und irgendwie einflußreiche Patienten mit übertriebener Besorgnis und Wehleidigkeit, arme und geringere…

Gelehrsamkeit macht blind

… gerade der bedeutende Arzt, welcher der Wissenschaft mit Ernst und Geist um ihrer selbst willen und als Gelehrter dient, ist … am leichtesten zu täuschen. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 44 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])

Die Zeit des Kommandanten

Ein Commander war wie ein Arzt: der Gesunde war ihm am liebsten, aber die meiste Zeit mußte er für den Kranken aufbringen, je kränker, desto länger. (Sten Nadolny, Die Entdeckung der Langsamkeit, 1998, S. 221 f.)

Wem der Mensch vertraut

… zu einem kranken Arzt hat man kein Vertrauen, was aber einer zu sagen hat, der es verstanden hat, für sich selbst zu sorgen, daran muß doch wohl mancherlei Wahres sein. (Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, I Erstes und Zweites Buch, 1987, S. 191)

Berufswahl

Kindermund: „Nein, ich will lieber Ärztin werden, dann kann ich endlich dieses dumme Arztgeheimnis rauskriegen!“

Der Leidende als des Leidenden Führer und Heiland 

So hatte er sich eingebürgert als einer der Ärzte, die Leidensgenossen … sind; die nicht, von der Krankheit unabhängig, sie aus dem freien Stande persönlicher Intaktheit bekämpfen, sondern selber ihr Zeichen tragen, – ein eigentümlicher, aber durchaus nicht vereinzelter Fall, der ohne Zweifel seine Vorzüge wie sein Bedenkliches hat. Kameradschaft des Arztes mit dem Patienten…

Selbstverständlichkeit

Erst der Kranke fühlt seine Glieder. (Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, 1998, S. 451)