Laßt die Nichts-als-Sachlichen zur Macht kommen, und mit der Barmherzigkeit und der Phantasie auf Erden ist es aus. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 340)
Kategorie: Was er liest
Die innige Beziehung der Diebe
Wenn sich zwei Menschen verbünden, deren Lust und Kunst es ist, im trüben zu fischen und unter hohlen Abrakadabras Schaumschlägerei zu treiben, ist die Beziehung inniger als die meisten echten Freundschaften, wie ja auch die Diebsgenossenschaften fester zu sein pflegen als die der ehrlichen Leute. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 334)
Entweder Händler oder Priester!
Es ist schon so: Leute, die sich um einen Profit betrogen sehen, den sie selber einzustreichen wünschen, sind äußerst rigoros in der Beurteilung derer, die neben ihren geistigen Verdiensten auch einen greifbaren haben wollen. Das geht nicht, behaupten sie, entweder du bist ein Händler oder du bist ein Priester, beides zu sein ist unanständig. (Jakob…
Spaltung der Beweggründe
Es ist ein psychologisches Geheimnis, daß Menschen … von den Umständen so lange begünstigt werden, bis der Spannungsgegensatz zwischen Traum und Wirklichkeit mit einer Katastrophe endet. Blickt man tiefer, so kennzeichnet sich die Schwäche ihrer Konstruktion von vornherein durch die Spaltung der Beweggründe: es entsteht ein Sowohl-Als-auch, eine Doppeltheit der Absicht. Sie wollen sich gegen…
Das Leben als Detektivroman
Das Schicksal verfährt oft mit uns wie der Verfasser eines Detektivromans. Stück für Stück und Schritt für Schritt enthüllt es uns einen Sachverhalt, der uns bis zur endgültigen Aufhellung verborgen war, und die Überraschung, die wir dann erleben, rührt nur davon her, daß mit unserm Scharfsinn und unserer Urteilskraft ein geschicktes Spiel getrieben wurde. (Jakob…
Das ist geisteskrank!
Der kranke Geist erregt nicht Mitleid wie der kranke Körper, sondern Furcht und Abneigung. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 236)
Kasuistik der Gefühle
… Kasuistik der Gefühle… (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 199)
Starr vor Staunen
Jedoch war eine meiner verhängnisvollsten Eigenschaften die, daß ich gegen einen Willensmenschen hauptsächlich deshalb unterlag, weil mich das Phänomen der Willenskraft an sich in so nachhaltiges Staunen versetzte, daß ich mich zu einem Entschluß erst dann aufraffte, wenn der andere bereits über mich verfügt hatte. Dann redete ich mir ein, ich hätte das Meinige getan,…
Ehre, wem Ehre gebührt!
Wenn man mit einem Schriftsteller korrespondiert, macht man geistig Toilette. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 184)
Sei gefälligst gefällig!
Eine sonderbare Eigenschaft, unter der ich noch heute leide, zwingt mich, jedem Ruf, jeder Aufforderung zu folgen, die an mich ergehen, so, als ob ich fürchten müßte, diejenigen zu verletzen oder nur zu verstimmen, die sich vergeblich um mich bemühen. Manchmal freilich steckt nichts als Trägheit dahinter: Man geht gedankenlos in die Richtung, in die…
Auf Verehrer bauen?
… auf Verehrer kann man nur bauen, wenn man ihrer Hilfe nicht bedarf. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 179)
Liebe zur Literatur? Nichts als selbstvergessene Schwärmerei!
Gewöhnlich ist es ja so, und das wirft ein eigentümliches Licht auf die menschliche Natur, daß die enthusiastische Vorliebe für Dichtung und Gedicht oft nur einen inneren Hohlraum umkleidet und dort, wo sie zu Lebensverantwortungen zwingen müßte, in selbstvergessene Schwärmerei zerfließt. (Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz, 1989, S. 178)