Settembrini ist ein Kritiker, ein Mann des Urteils… Ich sollte vielleicht auch mehr urteilen und nicht alles nehmen, wie es ist… Aber manchmal fängt man mit Urteil und Tadel und gerechtem Ärgernis an, und dann kommt ganz anderes dazwischen, was mit Urteilen gar nichts zu tun hat, und dann ist es aus mit der Sittenstrenge,…
Kategorie: Was er liest
Gesegnete Nahrungsaufnahme!
„Gesegnete Nahrungsaufnahme“! Was für ein Kauderwelsch. Man kann sagen: „Gesegnete Mahlzeit“! denn „Mahlzeit“ ist ein poetisches Wort sozusagen, wie „tägliches Brot“, und verträgt sich ganz gut mit „gesegnet“. Aber „Nahrungsaufnahme“ ist ja die reine Physiologie, und dazu Segen zu wünschen, das ist doch ein höhnisches Gerede. (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 247 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter…
Schöne Bescherung!
„Eine schöne Bescherung“, sagte er und stand an seines Vetters Lager, wie man eben vor einer „schönen Bescherung“ steht… (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 241 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])
Das Verstummen des Schuljungen
Er verstummte. Der Gute war noch so jung, er hatte sich noch das Verstummen des Schuljungen bewahrt, der in der Bank steht, nichts weiß und schweigt. (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 236 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])
Vereinigung von Humanismus und Politik
[D]ie Literatur sei nichts anderes als eben dies: sie sei die Vereinigung von Humanismus und Politik, welche sich um so zwangloser vollziehe, als ja Humanismus selber schon Politik und Politik Humanismus sei… Alle Sittigung und sittliche Vervollkommnung entstamme dem Geiste der Literatur, diesem Geiste der Menschenehre, welcher zugleich auch der Geist der Humanität und der…
Peinlich!
… peinlich wie eine persönliche oder nationale Verbissenheit… (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 223 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])
Urlaub
… Ferien-Verantwortungslosigkeit… (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 221 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])
Bedenkliche Pflichttreue
Jedenfalls hatte Joachim viel zu viel mit sich selbst zu tun, als daß sein Dasein eigentlich innerlich hilfreich für Hans Castorp hätte sein können. Seine tägliche Flucht aus der Geselligkeit wirkte zwar ehrenhaft, aber nichts weniger als beruhigend auf diesen, und dann kam es ihm augenblicksweise auch vor, als ob Joachims gutes Beispiel in bezug…
Fremdcharakter
[N]ur das Fremde scheint uns Charakter zu haben. (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 206 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])
Der verliebte Mensch
Aber um wen es steht, wie es um ihn stand oder zu stehen begann, der will, daß man drüben von seinem Zustande Kenntnis habe, auch wenn kein Sinn und Verstand bei der Sache ist. So ist der Mensch. (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 200 f. [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])
Zwei Seiten eines Charakters
Leider wohnt den Bezeichnungen von Charaktereigenschaften regelmäßig ein moralisches Urteil inne, sei es im lobenden oder tadelnden Sinn, obgleich sie alle ihre zwei Seiten haben. (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 171 f. [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])
Morning Glory
… mit dem Überlegenheitsgefühl des im Tageslicht der Vernunft sich rasierenden Menschen… (Thomas Mann, Der Zauberberg, S. 56 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1981])