Zwei Sorten von Ereignissen

Unser Dasein besteht aus wenigen Zutaten. Vor allem das Glück ist eine schlichte Angelegenheit. Es gibt zwei Sorten von Ereignissen: gute, also dem Menschen förderliche, und schlechte, die ihn behindern. Alles dreht sich darum, dem Leben möglichst viele Bestandteile aus der ersten und möglichst wenige aus der zweiten Kategorie beizumischen. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein…

Gesundheit: Normalität oder Normativität?

Die METHODE gründet sich auf die Gesundheit ihrer Bürger und betrachtet Gesundheit als Normalität. Aber was ist normal? Einerseits alles, was der Fall ist, das Gegebene, Alltägliche. Andererseits aber bedeutet „normal“ etwas Normatives, also das Gewünschte. Auf diese Weise wird Normalität zu einem zweischneidigen Schwert. Man kann den Menschen am Gegebenen messen und zu dem Ergebnis…

Subjektive Wahrheit

Selbst vor Gericht ist Wahrheit eine subjektive Angelegenheit. Glauben und Wissen sehen einander zum Verwechseln ähnlich. Man kann mit Recht fragen, ob sie nicht dasselbe sind. Kluge Leute beurteilen die Wahrheit in Grenzfällen deshalb nicht nach ihrer Gültigkeit, sondern nach ihrer Nützlichkeit. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 121)

Widerstandsnarzissmus

… Narzissmus des Widerstands… (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 81)

Rechtsmitspielpflicht

Das Recht ist ein Spiel, bei dem jeder mitspielen muss. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 80)

Gute Vorsätze

Gute Vorsätze … sind ein merkwürdiges Phänomen. Durch ihre Existenz beweisen sie die eigene Ungültigkeit. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 80)

Par in parem non habet imperium

Die Kommandozentrale kann dem Körper Befehle erteilen, aber nicht sich selbst. Der Kopf kann dem Kopf das Denken nicht verbieten. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 80)

Die Gewöhnung des Bürgers

Die Bürger eines gut funktionierenden Staates sind daran gewöhnt, dass öffentliches und persönliches Wohl zur Deckung gebracht werden, auch und gerade in den finstersten Winkeln der menschlichen Existenz. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 34)

Des Menschen lächerliche Lage

Erst hat die naturwissenschaftliche Erkenntnis das göttliche Weltbild zerstört und den Menschen ins Zentrum des Geschehens gerückt. Dann hat sie ihn dort stehen lassen, ohne Antworten, in einer Lage, die nichts weiter als lächerlich ist. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 26 f.)

Materie, die sich selbst anglotzt

Wie … soll man einen Gegenstand oder gar ein geliebtes Wesen betrachten, wenn man ständig daran denken muss, dass nicht nur das Betrachtete, sondern auch man selbst nur ein Teil des gigantischen Atomwirbels ist, aus dem alles besteht? Wie soll man es ertragen, dass sich das Gehirn, unser einziges Instrument des Sehens und Verstehens, aus…