Schutzwall der Höflichkeit

Denn die Grobheit macht gemein, aber die Höflichkeit ist es, welche Abstände schafft. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 116 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])

Übung macht den Meister

… wie es ja denn der Nutzen langer Vorübungen und einer gewissenhaften Vertiefung ins Zukünftige ist, daß in der Stunde der Anwendung etwas Nachtwandlerisch-Mittleres zwischen Tun und Geschehen, Handeln und Leiden sich herstellt, welches unsere Aufmerksamkeit kaum in Anspruch nimmt, und zwar um so weniger, da die Wirklichkeit meistens geringere Anforderungen stellt, als wir ihr…

Zart und schwebend reden

Von zarten und schwebenden Dingen heißt es zart und schwebend reden… Nur an den beiden Polen menschlicher Verbindung, dort, wo es noch keine oder keine Worte mehr gibt, im Blick und in der Umarmung, ist eigentlich das Glück zu finden, denn nur dort ist Unbedingtheit, Freiheit, Geheimnis und tiefe Rücksichtslosigkeit. Alles, was an Verkehr und…

Laufeucht

… die laufeuchten Düfte… (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 86 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])

Gap Year

… eine längere Warte- und Mußezeit…, wie sie dem höheren Jüngling zu stillem Wachstum so willkommen, so notwendig ist. Bildung wird nicht in stumpfer Fron und Plackerei gewonnen, sondern ist ein Geschenk der Freiheit und des äußeren Müßigganges; man erringt sie nicht, man atmet sie ein; … man muß freilich aus bildsamem Stoffe bestehen, um…

Bürgerlicher Tod und Verklärung

… die bunten und lustigen Möglichkeiten des Lebens beginnen so recht erst jenseits einer gründlich aufräumenden Katastrophe, die man treffend als den bürgerlichen Tod bezeichnet, und eine der hoffnungsreichsten Lebenslagen ist die, wenn es uns so schlecht geht, daß es uns nicht mehr schlechter gehen kann. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 73 [Frankfurter…

Jökeln

… jökeln… (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 53 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])

Nur geträumt

… wie oft fallen uns im Traum köstliche Dinge zu, und wenn wir erwachen, so sind unsere Hände leer. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 52 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])

Diebstahl in Wort und in Tat

Ohne Zweifel wird man mir entgegenhalten, daß, was ich da ausgeführt, gemeiner Diebstahl gewesen sei. Demgegenüber verstumme ich und ziehe mich zurück; denn selbstverständlich kann und werde ich niemanden hindern, dieses armselige Wort zur Anwendung zu bringen, wenn es ihn befriedigt. Aber ein anderes ist das Wort – das wohlfeile, abgenutzte und ungefähr über das…

Lächerliche Ärzte

Die ärztliche Wissenschaft will, daß Fieber notwendig nur die Folge der Vergiftung des Blutes durch einen Krankheitserreger sein könne und daß es ein Fieber aus anderen als körperlichen Ursachen nicht gebe. Das ist lächerlich. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 47 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])

Überwiegend gewöhnliche Hohlköpfe

Selbstverständlich macht der ärztliche Berufsstand von anderen keine Ausnahme darin, daß seine Angehörigen ihrer überwiegenden Mehrzahl nach gewöhnliche Hohlköpfe sind, bereit, zu sehen, was nicht da ist, und zu leugnen, was auf der Hand liegt. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 46 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])

Zweiklassenmedizin

Kennzeichnend für ihn [sc. den Arzt] war, daß er, wie ich aus eigenem Augenschein wußte, in seinem Wartezimmer nicht Ordnung und Reihenfolge hielt, sondern dem vermögenden und angesehenen Besucher vor dem länger wartenden schlichten ganz offenkundig den Vortritt ließ; wie er denn wohlsituierte und irgendwie einflußreiche Patienten mit übertriebener Besorgnis und Wehleidigkeit, arme und geringere…