[D]ann erinnere ich Sie an den alten Rechtsspruch: Für den Verdächtigen ist Bewegung besser als Ruhe, denn der welche ruht kann immer, ohne es zu wissen auf einer Wagschale sein und mit seinen Sünden gewogen werden. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 176)
Kategorie: Kafka
Gerufen und doch ungelegen
Du wurdest gerufen…, trotzdem kommst Du ungelegen… Du kommst immer ungelegen. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 175)
Besser in Ketten als frei?
[E]s ist oft besser in Ketten als frei zu sein. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 174)
Ich weiß, dass mir ein Anwalt lebt!
Ich habe einmal in einer Schrift den Unterschied sehr schön ausgedrückt gefunden, der zwischen der Vertretung in gewöhnlichen Rechtssachen und der Vertretung in diesen Rechtssachen besteht. Es hieß dort: Der eine Advokat führt seinen Klienten an einem Zwirnfaden bis zum Urteil, der andere aber hebt seinen Klienten gleich auf die Schultern und trägt ihn zum…
Die Auswahl der Mandate
Der Entschluß aber alle Arbeit selbst zu leisten hatte die natürlichen Folgen: ich mußte fast alle Ansuchen um Vertretungen abweisen und konnte nur denen nachgeben, die mir besonders nahegiengen… (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 172)
Des Anwalts Versündigung
Sie werden bemerkt haben, daß ich zwar eine große Kanzlei habe aber keine Hilfskräfte beschäftige. Das war früher anders, es gab eine Zeit wo einige junge Juristen für mich arbeiteten, heute arbeite ich allein. Es hängt dies zum Teil mit der Änderung meiner Praxis zusammen, indem ich mich immer mehr auf Rechtssachen von der Art…
Jetzt wird es körperlich
… wenn mir jetzt der Proceß, förmlich im Geheimen, immer näher an den Leib rückt. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 171)
Wenn man einen Anwalt einschaltet…
Und nun hätte man doch erwarten sollen, daß mir der Proceß noch leichter fallen würde als bis dahin, denn man übergibt doch dem Advokaten die Vertretung, um die Last des Processes ein wenig von sich abzuwälzen. Es geschah aber das Gegenteil. Niemals früher, hatte ich so große Sorgen wegen des Processes, wie seit der Zeit,…
Der Anwalt versteht sein Geschäft!
„Mag sein“, sagte der Advokat, „wir wollen … nichts übereilen.“ Er gebrauchte das Wort „wir“, als habe er nicht die Absicht K. freizulassen und als wolle er, wenn er schon nicht sein Vertreter sein dürfe, wenigstens sein Berater bleiben. (Franz Kafka, Der Proceß, 1995, S. 170)
Die wirklich schönen Angeklagten
Die Angeklagten sind eben die Schönsten. Es kann nicht die Schuld sein, die sie schön macht, denn … es sind doch nicht alle schuldig, es kann auch nicht die künftige Strafe sein, die sie jetzt schon schön macht, denn es werden doch nicht alle bestraft, es kann also nur an dem gegen sie erhobenen Verfahren…
Die wirklich großen Advokaten
„Nach diesem (sc. Gerichtsgebrauch) gibt es … außer den Winkeladvokaten noch kleine und große Advokaten.“ … „Die großen Advokaten?“ fragte K. „Wer sind denn die? Wie kommt man zu ihnen?“ … „Wer die großen Advokaten sind weiß ich nicht und zu ihnen kommen, kann man wohl gar nicht… Manchen verteidigen sie, aber durch eigenen Willen…
Von der Wertlosigkeit der Arbeit eines Anwalts
Übrigens hat es sich bei meinen Eingaben … gezeigt, daß sie ganz wertlos waren… [Z]war gelehrt, aber eigentlich inhaltslos. Vor allem sehr viel Latein, das ich nicht verstehe, dann seitenlange allgemeine Anrufungen des Gerichtes, dann Schmeicheleien…, dann Selbstlob des Advokaten, wobei er sich auf geradezu hündische Weise vor dem Gericht demütigte, und endlich Untersuchungen von…