Ungeklärte Situationen

Aber, mein Freund, Sie wissen doch, daß nichts geeigneter ist, ewig zu dauern, als ungeklärte Situationen. Nur Romanautoren suchen alles aufzulösen. Im Leben wird nichts gelöst; alles geht so weiter. Die Ungewißheit bleibt, und bis zum Schluß weiß man nicht, woran man sich halten soll; inzwischen aber geht das Leben weiter, immer weiter, gerade so,…

Mystische Erregung

„Sicherlich gibt es keine mystische Erregung, die nicht eine materielle Entsprechung hätte. Um Zeugnis abzulegen, kann der Geist die Materie nicht entbehren. Daher das Mysterium der Inkarnation.“ „Dafür kann die Materie den Geist um so leichter entbehren.“ (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 305)

Lyrische Erregung

… ich glaube gerne, daß man Künstler nur sein kann, wenn man die lyrische Erregung zu beherrschen vermag; doch um sie beherrschen zu können, ist es unerläßlich, sie erst einmal empfunden zu haben. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 305)

Was Freundschaft und Liebe unterscheidet

Ich glaube, das Besondere an der Liebe ist, daß sie nie gleichbleiben kann; daß sie wachsen muß, wenn sie nicht abnehmen soll, und daß sie sich dadurch von der Freundschaft unterscheidet. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 264)

Schreiben als Hindernis

Manchmal scheint es mir, als hindere einen das Schreiben am Leben… (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 263)

Vom Leben lernen

Er hat vieles zu früh gelesen, zuviel behalten und sehr viel mehr aus Büchern gelernt als aus dem Leben. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 215)

Keine Heilung

… wenn es krank sein heißt, Sie zu lieben, so möchte ich nie kuriert werden. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 192)

Besinnungsaufsatz

… Besinnungsaufsätze… (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 189)

Bach langweilt

… die Musik sei eine mathematische Kunst, und überdies habe Bach, als er sich ausschließlich von abstrakten Zahlenverhältnissen leiten ließ, alles Pathos aber und alles Menschliche aus seiner Musik verbannte, ein Meisterwerk der Langeweile geschaffen… (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 185)

Die Aufgabe der Kunst

Das psychologisch Wahre bleibt auf den Einzelfall beschränkt; die Kunst aber muß allgemein sein. Die schwierige Aufgabe ist es gerade, das Allgemeine im Einzelnen zur Darstellung zu bringen und über das Einzelne Allgemeingültiges zu sagen. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 180)

Der Künstler als Staat

… der Staat bin ich, der Künstler; ob ich nun Staat damit mache oder nicht, meine Kunst macht niemandem Konkurrenz. (André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 180)

Uneigennützigkeit

Wohltaten … lassen wir uns nur gefallen, wenn wir uns erkenntlich zeigen können. (Tacitus, zit. n. Montaigne, zit. n. André Gide, Die Falschmünzer, 1993, S. 175)