Fragt mich nach meinem Programm: Atmen, ist das keines? (E. M. Cioran, Syllogismen der Bitterkeit, 1995, S. 48)
Kategorie: Bild und Wort
Was wir den anderen niemals verzeihen
Alle unsere Rachegefühle entstehen daher, daß wir uns selbst nicht erfüllen können, weil wir unter unserem Niveau bleiben. Das werden wir den anderen niemals verzeihen. (E. M. Cioran, Syllogismen der Bitterkeit, 1995, S. 44)
Heilkraft der Panik
Glücklich jene Mönche, die gegen das Ende des Mittelalters von Stadt zu Stadt liefen und das Ende der Welt verkündeten! Zwar hatten ihre Theorien es nicht eilig, in Erfüllung zu gehen – was lag daran! Sie konnten alle Fesseln abwerfen, ihren Verstörungen freien Lauf lassen, sich über die Mengen ergießen und damit ihre Psychosen loswerden;…
Gesichtsverschanzung
Wir verschanzen uns hinter unserem Gesicht; der Narr verrät sich durch das seine. Er bietet sich dar, er denunziert sich den anderen. Da er seine Maske verloren hat, macht er seine Angst öffentlich, drängt sie dem ersten besten auf, plakatiert seine Rätsel. Soviel Indiskretion erregt Ärgernis. Normalerweise knebelt man ihn und isoliert ihn. (E. M….
Buddha als Nörgler
Dem Gedanken an den Tod alle die Stunden gewidmet zu haben, die einen Beruf erfordert haben würde… Die metaphysischen Überschwenglichkeiten sind das besondere Merkmal der Mönche, der Wüstlinge und der Clochards. Eine Anstellung hätte sogar aus Buddha einen simplen Nörgler gemacht. (E. M. Cioran, Syllogismen der Bitterkeit, 1995, S. 33)
Die mörderische Kompetenz der Professoren
Nicht genug zu tadeln ist das neunzehnte Jahrhundert dafür, daß es dieses Gezücht von Glossatoren begünstigt hat, diese Lesemaschinen, diese Mißbildung des Geistes, die der Professor inkarniert, – Symbol des Niedergangs einer Kultur, der Abstumpfung des Geschmacks, der Suprematie des Fleißes über den Einfall. Alles von außen sehen, das Unsagbare systematisieren, nichts von Angesicht zu…
Ein weidlich utopischer Gedanke
Es scheint ein weidlich utopischer Gedanke, daß die überall gleich leicht und gleich billig herstellbare Kernenergie andere Gleichheiten nach sich ziehen werde, und daß die künstlichen Gehirne, die wir für die großen Vernichtungswaffen entwickelten, künftig unsere Fabriken in Gang halten könnten… (Heinar Kipphardt, In der Sache J. Robert Oppenheimer, 46. Aufl. 2023, S. 147)
Gedankenverrat
Es liegt eine Form des Verrats vor, die unsere Gesetzbücher nicht kennen, der Gedankenverrat… (Heinar Kipphardt, In der Sache J. Robert Oppenheimer, 46. Aufl. 2023, S. 136)
Mafia und Terrorismus
Bisher sind wir immer davon ausgegangen, dass Terroristen politisch agieren, …, während Mafiosi nur profitorientiert sind… Diese Unterscheidung macht aber keinen Sinn mehr, denn Mafiosi machen auch Politik und Terroristen bedienen sich krimineller Machenschaften, um ihre Zellen, Anschläge und sonstige Taten zu finanzieren… Die Unterscheidung dieser beiden Phänomene schwerster Kriminalität ist nur noch eine Frage…
Frei sein
Frei kann man nur sein, wenn man mit der eigenen Angst leben kann… Ein Leben hingegen, das von der Angst bestimmt wird, ist kein freies Leben. (Alessandro Bellardita, Die sizilianische Akte, 2024, S. 204)
Bitte nicht stören!
Alle großen Entdeckungen hatten für den Zustand der Welt und das Bild davon in unseren Köpfen zuerst einmal verheerende Folgen. Sie stürzten ihn um und installierten einen neuen Zustand. Sie zwangen die Welt, sich vorwärts zu bewegen. Das war jedoch nur möglich, weil die Entdecker die Folgen ihrer Entdeckung nicht fürchteten, so fürchterlich sie für…
Faktizität und Geltung von Entdeckungen
Ich meine, daß Entdeckungen weder gut noch böse sind, weder moralisch noch unmoralisch, sondern nur tatsächlich. Man kann sie gebrauchen oder mißbrauchen. (Heinar Kipphardt, In der Sache J. Robert Oppenheimer, 46. Aufl. 2023, S. 109)