MARGARETE. Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, Allein ich glaub’, du hältst nicht viel davon. FAUST. Laß das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut; Für meine Lieben ließ’ ich Leib und Blut, Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben. MARGARETE. Das ist nicht recht, man muß dran glauben! …
Kategorie: Bild und Wort
Sorgenlose Wissenschaft
DIE HEXE. Die hohe Kraft Der Wissenschaft, Der ganzen Welt verborgen! Und wer nicht denkt, Dem wird sie geschenkt, Er hat sie ohne Sorgen. (Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Eine Tragödie, V. 2567–2572 [Hamburger Ausgabe, hrsg. v. Erich Trunz, Band III: Dramatische Dichtungen I, 16. Aufl. 1996])
Kunst und Wissenschaft und Geduld
MEPHISTOPHELES. Nicht Kunst und Wissenschaft allein, Geduld will bei dem Werke sein. Ein stiller Geist ist Jahre lang geschäftig, Die Zeit nur macht die feine Gärung kräftig. (Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Eine Tragödie, V. 2370–2373 [Hamburger Ausgabe, hrsg. v. Erich Trunz, Band III: Dramatische Dichtungen I, 16. Aufl. 1996])
Rechtsabscheu
SCHÜLER. Zur Rechtsgelehrsamkeit kann ich mich nicht bequemen. MEPHISTOPHELES. Ich kann es euch so sehr nicht übel nehmen, Ich weiß, wie es um diese Lehre steht. Es erben sich Gesetz’ und Rechte Wie eine ew’ge Krankheit fort, Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte Und rücken sacht von Ort zu Ort. Vernunft wird Unsinn, Wohltat…
Das krankhafte Klima üppig lebender Völker
Die psychotherapeutischen Methoden wuchern im Überfluß bei den üppig lebenden Völkern: das Fehlen von unmittelbaren Sorgen unterhält hier ein krankhaftes Klima. Um ihr nervöses Wohlbefinden zu bewahren, bedarf eine Nation eines konkreten Unheils, eines Objekts für ihre Beunruhigungen, eines positiven Schreckens, der ihre „Komplexe“ rechtfertigt. Die Gesellschaften konsolidieren sich in der Gefahr und verkümmern in…
Der Friseur als Sokrates
Eine Liebe, die aufhört, ist eine so reiche philosophische Erfahrung, daß sie aus einem Friseur einen Konkurrenten des Sokrates macht. (E. M. Cioran, Syllogismen der Bitterkeit, 1995, S. 66)
Glaubensrot oder: Der wahre Gottesbeweis
Und ich denke an jenen Universitätsprofessor in Südosteuropa, der eine seiner Schülerinnen über die Beweise der Existenz Gottes befragt; sie legt los: historischer Beweis, ontologischer Beweis usw. Aber sie beeilt sich hinzuzufügen: „Und doch glaube ich nicht daran.“ Der Professor ärgert sich und wiederholt die Beweise der Reihe nach; mit einem Achselzucken beharrt sie in…
Gebet als Streit
Im Alten Testament verstand man sich darauf, den Himmel einzuschüchtern, man drohte ihm mit der Faust: das Gebet war ein Streit zwischen dem Geschöpf und seinem Schöpfer. Das Evangelium kam, um sie zu versöhnen… (E. M. Cioran, Syllogismen der Bitterkeit, 1995, S. 60)