Die eigene Katastrophe auszustellen, hat etwas Aufdringliches; es aber nicht auszusprechen, ist noch verquerer… (Thomas Melle, Die Welt im Rücken, 5. Aufl. 2016, S. 7)
Autor: Dr. Georg Neureither
Zeitdehnung und Zeitraffung
Die Stunden gingen vorbei wie immer, wenn nichts passierte: nach vorne zäh, rückblickend im Nu. (Thomas Melle, Haus zur Sonne, 2025, S. 304)
Freitodbeschäftigung
Ist man mit dem eigenen Freitod beschäftigt, denkt man oft auch an die Nachwelt und an die Schmerzen, die man dieser eigentlich nicht zufügen möchte. Geburtstage naher Personen sind dann als Sterbedatum zu vermeiden, denn man will deren Ehrentag nicht für alle Zeiten mit dem eigenen Tod verlinken und beschweren. Überall sind Verwicklungen. Man wartet…
Hämatomblau
Der Satz: Meine Kindheit trägt die Farbe des Wortes Hämatom. (Thomas Melle, Haus zur Sonne, 2025, S. 180)
Nichts bleibt
„Wissen Sie, was das Problem ist? Es bleibt nichts. Ich gehe durch diese Träume, und ich nehme nichts mit.“ „Das ist das Wesen der Träume und, wenn Sie so wollen, auch des Lebens. Wir nehmen alle nichts mit, am Ende, oder? Keiner von uns.“ (Thomas Melle, Haus zur Sonne, 2025, S. 133)
Diskontinuität als Kontinuität
Ein Leben hat eine eigene Dramaturgie und eine kontinuierliche Geschichte, vielleicht mit Brüchen, vielleicht mit Umwegen, aber eine Kontinuität… Die einzige Kontinuität in meinem Leben ist die Diskontinuität. (Thomas Melle, Haus zur Sonne, 2025, S. 113)
Von der Kriegsdebatte zum Debattenkrieg
Was sollte einer wie ich, der auch innerlich alles verloren hatte, noch machen? … Nichts war mehr interessant, keine Debatte, kein Artikel, und alles, was die Leute vermeldeten, kam mir nur noch schräg und falsch vor. Ein Krieg brach los, und sofort war die Debatte da und schnell überlagerte die Debatte den Krieg und all…
Stuck State
… wahrscheinlich hatte ich wieder einmal nicht verstanden, dass es hier um bloßen Smalltalk und um ein paar oberflächliche Schmeicheleien ging und nicht um irgendwelche diskutierbaren oder gar wahrheitsfähigen Aussagen. Ich dagegen nahm es wieder wörtlich und blieb stecken. (Thomas Melle, Haus zur Sonne, 2025, S. 23)
Recht literarisch
Meine Kolumne im Anwaltsblatt!
Hotelbareinsamkeit
Abends allein in einer Hotelbar zu sitzen ist eine spezielle Art von Einsamkeit. Wenn man sich ganz in dieses Gefühl fallen lässt, kann man es sogar fast genießen. Fast. (Marc-Uwe Kling, Views, 2025, S. 95)
Alter DDR-Witz
„Es gab in der DDR diesen alten Witz… Woher weißt du, dass dich die Stasi überwacht?“… „Auf der Straße steht ein neues Trafohäuschen, und du hast einen neuen Einbauschrank?“ (Marc-Uwe Kling, Views, 2025, S. 87)
Die Hoteltopfpflanze
Im Hotelflur … steht neben dem Aufzug eine traurige Topfpflanze. Der Gummibaum, oder was auch immer es ist, starrt sie mit gesenktem Kopf an, während sie auf den Aufzug nach unten wartet. „Töte mich“, scheint die Pflanze zu flüstern. „Bitte erlöse mich.“ (Marc-Uwe Kling, Views, 2025, S. 70)