Die Lüftung im Badezimmer

Wieder drängte sich die Lüftung im Badezimmer ins Bewusstsein… Banal brauste sie auf, wenn ich das Bad betrat, mit einem Hauch unheimlicher Vernichtung darin. (Thomas Melle, Die Welt im Rücken, 5. Aufl. 2016, S. 193)

Die Großstadt

Ein Wutanfall ohne besonderen Grund kam bald über mich… Dann ritzte ich Beethovens Schicksalsmotiv gedoppelt in die Raufasertapete an der Wand über meinem Bett. Es brachte nichts. Dann fing ich an, Bücher und Platten aus dem Fenster zu werfen… Die Sachen krachten und knallten in den Hinterhof, machten großen Lärm; ich schmiss, was mir in…

Das Wirtschaftssystem

Manche machen bloß aus Steuergründen Schulden. Und ist das Wirtschaftssystem nicht ebenso manisch und irrational, wenn es fiebrig Schulden anhäuft und die Zukunft als Wette ansieht…? (Thomas Melle, Die Welt im Rücken, 5. Aufl. 2016, S. 174)

Das Theater

Das Theater ist ja, zumal in der Provinz, ein einziger Säuferverein. In trostlosen Kantinen und holzvertäfelten Kneipen kippt man Biere und Kurze und verlallt sich die schiere Unentrinnbarkeit zu einem schummrigen Zusammengehörigkeitsgefühl zurecht. Dazu sind Psychodynamiken am Werk, die denen einer dysfunktionalen Familie ähneln, jedoch im Zeitraffer durchgespielt. Man hängt aufeinander, spielt die intensivsten Rollen…

Dahinleben

… halbfokussiert und stabil… (Thomas Melle, Die Welt im Rücken, 5. Aufl. 2016, S. 140)

Der Computer quält dein Kind

Zitat des Tages: „Diese Alternativen ließen sich vor Kernkraftwerken oder auf Raketentransportwegen mit Wasserwerfern und Schlagstöcken traktieren. Für uns frühreife Keyboard-Kinder waren solche Kämpfe Rückzugsgefechte sterbender Mächte. Ich habe physische Gewalt in jenen Jahren (auch privat) meist als Ausdruck von Hilf- und letztlich Chancenlosigkeit der Wütenden gedeutet (großer Irrtum, kleiner Mann).“

Heillos

Alles ist legitimiert vor diesem heillosen Unrecht. (Thomas Melle, Die Welt im Rücken, 5. Aufl. 2016, S. 136)

Schuld

Es gibt … nur die Schuld, die als Abstraktum über mir schwebt… (Thomas Melle, Die Welt im Rücken, 5. Aufl. 2016, S. 135)

S-Bahn-Fahrt aller Einsamkeiten

Die gehässige Sonne stichelt durch das verschmierte Fenster… Die Sonne wieder, diese hämische Sau. (Thomas Melle, Die Welt im Rücken, 5. Aufl. 2016, S. 127 f.)

Abgründig

Jeder Mensch birgt wohl einen Abgrund in sich, in welchen er bisweilen einen Blick gewährt… (Thomas Melle, Die Welt im Rücken, 5. Aufl. 2016, S. 113)

Befreiender Horror

Ist der Horror Fiktion, wird er zur Befreiung. (Thomas Melle, Die Welt im Rücken, 5. Aufl. 2016, S. 97)

Heidi und die Polizei

Alles Positive wurde nachträglich vergiftet. „Heidi“ etwa, „Heidi“ und die Polizei. In Aachen, fünf oder sechs Jahre zuvor, hatte sich mein Stiefvater eines Abends zu mir gesetzt und „Heidi“ mit mir gesehen, die Serie, die ich, wie alle, liebte. Wochen vorher hatten sie sich den Videorekorder gekauft, und ich hatte es schier nicht fassen können,…