… wie oft fallen uns im Traum köstliche Dinge zu, und wenn wir erwachen, so sind unsere Hände leer. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 52 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])
Autor: Dr. Georg Neureither
Diebstahl in Wort und in Tat
Ohne Zweifel wird man mir entgegenhalten, daß, was ich da ausgeführt, gemeiner Diebstahl gewesen sei. Demgegenüber verstumme ich und ziehe mich zurück; denn selbstverständlich kann und werde ich niemanden hindern, dieses armselige Wort zur Anwendung zu bringen, wenn es ihn befriedigt. Aber ein anderes ist das Wort – das wohlfeile, abgenutzte und ungefähr über das…
Lächerliche Ärzte
Die ärztliche Wissenschaft will, daß Fieber notwendig nur die Folge der Vergiftung des Blutes durch einen Krankheitserreger sein könne und daß es ein Fieber aus anderen als körperlichen Ursachen nicht gebe. Das ist lächerlich. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 47 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])
Überwiegend gewöhnliche Hohlköpfe
Selbstverständlich macht der ärztliche Berufsstand von anderen keine Ausnahme darin, daß seine Angehörigen ihrer überwiegenden Mehrzahl nach gewöhnliche Hohlköpfe sind, bereit, zu sehen, was nicht da ist, und zu leugnen, was auf der Hand liegt. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 46 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])
Zweiklassenmedizin
Kennzeichnend für ihn [sc. den Arzt] war, daß er, wie ich aus eigenem Augenschein wußte, in seinem Wartezimmer nicht Ordnung und Reihenfolge hielt, sondern dem vermögenden und angesehenen Besucher vor dem länger wartenden schlichten ganz offenkundig den Vortritt ließ; wie er denn wohlsituierte und irgendwie einflußreiche Patienten mit übertriebener Besorgnis und Wehleidigkeit, arme und geringere…
Die plumpe Lebensklugheit untergeordneter Charaktere
… die plumpe Lebensklugheit, die ihm, wie so vielen untergeordneten Charakteren, eigentümlich war und in der seine ganze Tüchtigkeit beruhte. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 44 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])
Gelehrsamkeit macht blind
… gerade der bedeutende Arzt, welcher der Wissenschaft mit Ernst und Geist um ihrer selbst willen und als Gelehrter dient, ist … am leichtesten zu täuschen. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 44 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])
Körper und Seele
Aber der Körper ist zäh und stumpfsinnig dauerhaft, er hält aus, wenn die Seele sich längst nach Mitleid und milder Pflege sehnt… (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 43 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])
Wenn schon täuschen, dann aber richtig!
Nach meiner Theorie wird jede Täuschung, der keinerlei höhere Wahrheit zugrunde liegt und die nichts ist als bare Lüge, plump, unvollkommen und für den erstbesten durchschaubar sein. Nur der Betrug hat Aussicht auf Erfolg und lebensvolle Wirkung unter den Menschen, der den Namen des Betrugs nicht durchaus verdient, sondern nichts ist als die Ausstattung einer…
Lebensbedingung
Die Bedingung, unter der ich einzig zu leben vermag, ist Ungebundenheit des Geistes und der Phantasie… (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 37 [Frankfurter Ausgabe, hrsg. v. Peter de Mendelssohn, 1985])
Talent und Gesellschaft
Aber so sind die Leute. Sie wollen wohl des Talents, welches doch an und für sich eine Sonderbarkeit ist. Aber die Sonderbarkeiten, die sonst noch damit verbunden – und vielleicht notwendig damit verbunden – sind, die wollen sie durchaus nicht und verweigern ihnen jedes Verständnis. (Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, S. 26 [Frankfurter Ausgabe,…
Schreiben als Notwehr
Mein Schreiben und Arbeiten ist als eine Notwehr … entstanden. (Hanns-Josef Ortheil, Das Kind, das nicht fragte, 6. Aufl. 2014, S. 396)