Dienst am Land

Das Richtige unablässig zu wiederholen, ist der größte unblutige Dienst, den ein Mensch seinem Land zu erweisen vermag. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 200)

Morituri

Nichts fürchtet ein Sicherheitsapparat so sehr wie Menschen, die mit dem Leben abgeschlossen haben. Es macht sie unkontrollierbar. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 195)

Fataler Fortschrittsdrang

Fortschrittsdrang… ist eine Mischung aus gesellschaftlicher Selbstüberschätzung und individuellem Geltungsbedürfnis. Die Unfähigkeit, sich mit dem Bestehenden zufriedenzugeben, fordert mindestens einmal pro Epoche ein paar Hunderttausend, wenn nicht gleich Millionen von Toten. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 182 f.)

Verallgemeinernde Verfärbung

Es gibt eine Art zu verallgemeinern, die den Gegenstand entschieden persönlich färbt. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 182)

Treuherziges Werkeln

Gibt man dem Freiheitskämpfer Macht und Ansehen innerhalb der verhassten Maschinerie, wird er sogleich still und werkelt fortan in aller Treuherzigkeit vor sich hin. Was lehrt uns das über die Menschen…? Sie tauschen gern ein X gegen ein U, wenn es nur dazu dient, Eigenliebe zu befriedigen. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl….

Infantiler Partisanenstolz

Ich verabscheue das Rückständige der Freigeisterei, dieses altmodische Überbleibsel bürgerlicher Aufklärung. Mir ist der infantile Partisanenstolz zuwider, der immer meint, gegen Herrschaft und Autorität den Helden spielen zu müssen. Der Widerständler ist sich zu fein, zu dumm oder zu faul, um jene Macht zu erobern, die er zum Wirken brauchte. Deshalb erklärt er die ganze…

Politik als Mantel, Staat als Schuh

„Die Stärken eines politischen Systems bestünden doch vielleicht gerade darin, sich neuen Entwicklungen anzupassen wie ein gut sitzender Mantel. Schließlich sei ein legitimer Staat wie ein Schuh, den man nicht spürt, solange er nicht drückt.“ (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 179)

Gewissen und Gespür

„Ihr Gewissen ist heute ein schwanzwedelndes Hündchen, das mir die Hände leckt.“ „Ich habe kein Gewissen…“. „Aber ein Gespür für politische Notwendigkeiten. Das ist etwas sehr Ähnliches.“ (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 178)

Zwei Sorten von Ereignissen

Unser Dasein besteht aus wenigen Zutaten. Vor allem das Glück ist eine schlichte Angelegenheit. Es gibt zwei Sorten von Ereignissen: gute, also dem Menschen förderliche, und schlechte, die ihn behindern. Alles dreht sich darum, dem Leben möglichst viele Bestandteile aus der ersten und möglichst wenige aus der zweiten Kategorie beizumischen. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein…

Gesundheit: Normalität oder Normativität?

Die METHODE gründet sich auf die Gesundheit ihrer Bürger und betrachtet Gesundheit als Normalität. Aber was ist normal? Einerseits alles, was der Fall ist, das Gegebene, Alltägliche. Andererseits aber bedeutet „normal“ etwas Normatives, also das Gewünschte. Auf diese Weise wird Normalität zu einem zweischneidigen Schwert. Man kann den Menschen am Gegebenen messen und zu dem Ergebnis…

Subjektive Wahrheit

Selbst vor Gericht ist Wahrheit eine subjektive Angelegenheit. Glauben und Wissen sehen einander zum Verwechseln ähnlich. Man kann mit Recht fragen, ob sie nicht dasselbe sind. Kluge Leute beurteilen die Wahrheit in Grenzfällen deshalb nicht nach ihrer Gültigkeit, sondern nach ihrer Nützlichkeit. (Juli Zeh, Corpus Delicti – Ein Prozess, 40. Aufl. 2010, S. 121)